Dienstagmorgen, 5.30 Uhr, 27 Grad und 85% Luftfeuchtigkeit, die Frisur ist pitschnass geschwitzt. Meine Tochter macht einen Hoellenlaerm in der Kueche und verlaesst endlich so um 6 Uhr rum das Haus. Warte! Ab heute sind doch Sommerferien, oder etwa nicht?
Japaner bueffeln wie die Wahnsinnigen. Waehrend ich im Halbschlaf auf dem Sofa liege, den Rest meiner Krabben-Mayo Chips (Doch, die gibt es!) grosszuegig ueber mein Shirt verteilt, sitzt meine Frau am Kuechentisch und lernt fuer die naechsthoehere Stufe ihrer Buchhalterlizenz. Auch meine Kinder lernen unglaublich eifrig. Wenn sie um 4 Uhr nachmittags aus der Schule kommen, machen sie ihre Hausaufgaben und dann gehts ab in die Juku (Nachhilfeschule). Nein, meine Kinder sind dehalb nicht besonders bloede, in die Nachhilfe gehen hier praktisch alle Kinder. Unser Kleiner (11) kommt dann so um 20 Uhr rum nach Haus, unsere Grosse (14) oft erst um 22.30! Nein, dann wird nicht gnadenlos TV geglotzt, sondern weitergelernt. Erklaer das mal einem deutschen Schulkind.....
Damit nicht genug. Am Wochenende ist zumindest fuer die Kinder ab der Junior-Highschool Sport angesagt. Unsere Grosse verschwindet fast jeden Samstag um 6 Uhr morgens zum Tennistraining und kommt meist erst nachmittags total geschlaucht nach Haus. Selbst in den Sommerferien gehen die Kinder zum Schulsport und treffen sich oft in der Schulbibliothek zum Lernen. Natuerlich immer in Schuluniform.
Normalerweise muessten die Japaner bei diesem Lernpensum die schlauesten Kinder der Welt haben, jedoch bleibt bei der Masse von Informationen die sie eingetrichtert bekommen, offensichtlich nicht allzu viel haengen. Meine Tochter hat z.B. schon seit 5 Jahren Englisch, davon 2 Jahre auch noch Privatunterricht, ist jedoch kaum in der Lage einen halbwegs vernuenftigen Satz in Englisch rauszubringen. Selbst die japanischen Lehrer in den Englischschulen, die Anfaenger betreuen, haben eine derart grausame Aussprache, das man sich fragt, warum die eigentlich unterrichten duerfen.
In der Naehe vom Fujisan. In diesen Waeldern bringen sich jedes
Jahr mehrere Personen um.
Naja, genug davon. Am Wochenende habe ich wieder einiges gelernt und gesehen. So z.B. einen veraergerten Fujisan, der sich uns nicht von seiner besten Seite zeigen wollte, sondern uns arme Mopedfahrer bis auf die Knochen durchgenaesst hat. Egal, wir geben uns nicht geschlagen. Wir kommen wieder! Oder z.B. einen Deutschen, den es laut allgemeiner Meinung im Internet eigentlich garnicht in Japan geben duerfte: Ohne Japanisch und Englisch oder Uniabschluss nach Japan gekommen und trotzdem gluecklich mit eigenem Haus und gutem Job. Und dann war da noch der bescheuerte LKW-Treter, der es nicht abkonnte, das man ihn ueberholt wenn er im Stau steht und erstmal Abdraengmanoever faehrt. In Deutschland ein klarer Fall: An der naechsten Ampel runter vom Moped und erstmal den Scheinwerfer eintreten. Hier in Japan lasse ich das lieber. Wenn die Polizei auf der Bildflaeche erscheint, ist man als Auslaender immer der Duemmere.
Bis denne!
Was es nicht alles gibt! Waehrend das gemeine Klapprad in Deutschland eher nur von Rentnern und Fahradfetischisten benutzt wird, ist es hier in Japan ein alltaeglicher Anblick. Trotzdem, jedesmal wenn ich einen der typischen japanischen „Machos“ sehe, wie sie in voller Montur, d.h.: Lederjacke (natuerlich mit Fransen), DG-Sonnenbrille, Krokoimitat-Westernboots und natuerlich mit Kippe im Maul auf ihrem vom Rost zerfressenen, moeglichst auch noch weissen Klapprad um die Ecke geeiert kommen, kann ich mir selten ein Lachen verkneifen. Sorry, mit so einem Rad waere man in meiner Jugend an jeder Strassenecke zum Verhauen angehalten worden.....
Heute ist Muellabfuhrtag, in Tokyo gleichzusetzen mit Kraehenfuetterung. Warte, sind das ueberhaupt Kraehen? Oder doch Raben? Das japanische Wort „Karasu“ laesst eher auf Kraehen schliessen, aber die Viecher sind so verdammt gross, das koennen doch nur Raben sein. Google hilft da auch nicht wirklich weiter. Wie dem auch sei, heute morgen war wieder „Karasu“-Alarm. Die Viecher zupfen im Teamwork gekonnt die Netze an die Seite, die eigentlich verhindern sollen, das die Voegel an den Muell kommen, reissen die Muelltueten auf und lassen es sich schmecken. Dabei machen sie nicht einmal vor vollgeschissenen Windeln halt.
Die meisten Kraehen (Raben?) lassen sich dabei auch nicht von vorbeilaufenden Leuten stoeren. Besonders im eher ruhigen Setagaya sind die Viecher wirklich ueberall. Meistens findet man sie auf den Versorgungsleitungen sitzend. Leider steht mein Auto genau unter solch einer Leitung und wird deshalb von den Viechern gnadenlos vollgeschissen. Und das sind grosse Voegel, die deshalb auch grosse Haufen machen! An manchen Tagen dachte ich, jemand haette mir ueber Nacht das Auto umlackiert!
Mann, an diesen Tagen wuensche ich mir mein altes „Diana“- Luftgewehr zurueck, das mir mein Opa zum 11. Geburtstag geschenkt hatte. Ihr denkt: „Kein Wunder das der Typ solche Probleme hat, wenn er schon als Kind mit ner Knarre rumgeballert hat!“ Hey! Ich bin in einem 750-Seelen-Dorf mitten in der Soester Pampa gross geworden. Da bekam man vom Opa halt keine Playstation (die’s eh noch nicht gab...), sondern mehr „nuetzliches“ Zeugs, wie Taschenmesser, Chemie- oder Biokasten von Kosmos (Damals noch mit totem Frosch und Grille drin), Trix-Metallbaukasten, oder eben ein Luftgewehr. Fast alle Jungs im Dorf hatten frueher oder spaeter so ein Teil, konnte man sich so doch perfekt auf eine steile Karriere im oertlichen Schuetzenverein vorbereiten.
Nein, ich habe nicht auf Tiere geschossen, sondern ausschliesslich auf Zielscheiben, Dosen, Steine und anderen Krempel. Ja doch, die Versuchung war gross, aber ich habe trotzdem nicht auf Nachbar’s daemlichen Dackel oder auf wilde Tauben geschossen. Nun, an diesem Punkt in meinem Leben angekommen, wuerde ich auf Tiere schiessen und zwar auf „Karasu“. Schmecken die eigentlich?
Der Buergermeister Tokyo’s, ein bei Auslaendern ungemein unbeliebter Mann, versucht seit Jahren, die Karasu-Plage in den Griff zu bekommen. Wuerde er selbst sich als Vogelscheuche neben mein Auto stellen, wuerde das vielleicht sogar klappen, aber nein, er hatte die Idee, die Viecher mittels Knallanlagen aus den grossen oeffentlichen Parks zu verjagen. Wen stoeren die Kraehen dort eigentlich? Die Penner, die dort in grosser Zahl vorhanden sind? Halt, warte! Die sind ja auch verjagt worden. Mit dem Ergebnis, das sich beide Sorten von Stoerenfrieden (Karasu und Obdachlose) jetzt mehr in die Randgebiete Tokyo’s verzogen haben. Danke, Ishihara san (Buergermeister von Tokyo). Wer hat den eigentlich gewaehlt?
Oje, lasst uns jetzt bloss nicht von Politik anfangen......
Als ich heute morgen im Zug still und heimlich vor mich hinschwitzte und mir mein Nachbar seinen nach Zwiebeln und Essig (fuer Chips sicher eine gute Geschmackskombination....) riechenden Atem direkt in die Nase hauchte, ging mir ploetzlich folgender Gedanke nicht mehr aus dem Kopf: Werden wir Deutschen in Japan etwa bevorzugt behandelt?
Im Forum meines Vertrauens (www.embjapan.de) bin ich mehr als einmal mit der Aussage konfrontiert worden, das „wir Typen in Japan doch eh keinen Bezug mehr zum Umgang mit normalen Leuten haetten, da wir staendig mit Samthandschuhen angefasst werden“. Klar, diese Aussagen kamen praktisch immer von Leuten, die noch nie in Japan waren, oder wenn, dann als Besucher, oder Praktikanten fuer einen kurzen Zeitraum. Aber ist es wirklich so, wie sie meinen?
Werden wir hier als Deutsche tatsaechlich bevorzugt? Lasst mich das mal Punkt fuer Punkt angehen:
1. Arbeitsplatz:
Klar, ich kann viel oefter als meine japanischen Kollegen „Dampf ablassen“. Aber nimmt das ueberhaupt jemand ernst? Beim Gehalt und bei den Arbeitszeiten habe ich auf keinen Fall einen Vorteil. Gut, viele meiner Kollegen bleiben bis 20 Uhr im Buero, waehrend ich mich um 18 Uhr klammheimlich aus dem Staub mache, aber gezwungen werden sie dazu nicht. Unser Chef ermahnt uns des oefteren, nicht unnuetz lange im Buero zu bleiben. Wer dem nicht folgt: Selber schuld! Auch beim Urlaub das selbe Bild: 20 bezahlte Tage im Jahr fuer einen 43jaehrigen Ingenieur, genau soviel wie gleichaltrige japanische Kollegen, waehrend in Deutschland jeder Hilfsarbeiter 30
Tage bezahlten Urlaub hat und (unglaublich!) bezahlte Krankheitstage.
2. Ehe/Partnerschaft:
Kann ich mich bei meiner japanischen Frau, genauso wie meine japanischen Kollegen es gewohnt sind, wie ein Pascha verhalten? Dazu von mir ein klares: Hahahaha!!!! Wer sich mal genauer bei Landsmaennern umhoert, die mit Japanerinnen verbaendelt sind, wird sehr schnell vom Gegenteil ueberzeugt. Besonders weil wir Deutschen bei den Japanerinnen als „Gentlemen“ verschrien sind, werden sie uns niemals jenes Verhalten durchgehen lassen, was eine „typische“ Japanerin ihrem „typisch“ japanischen Ehemann locker durchgehen laesst, eben weil sie sich absolut nicht fuer das interessiert, was ihr Gatte so ausserehelich anstellt. Hauptsache am 15. kommt die Kohle auf’s Konto.
3. Einkaufen, Banken, usw..
Yippie, wieder eine neue Kreditkarte! Diesmal vom Gemuesehaendler an der Ecke! Was fuer Japaner ganz normal ist, naemlich die Geldboerse voller Kreditkarten zu haben, wird fuer die meisten Auslaender immer ein Traum bleiben. Ich hab meine erste Kreditkarte nach knapp 2 Jahren Aufenthalt in Japan bekommen und das auch nur, weil ich mit einer kreditwuerdigen Japanerin verheiratet bin. Vor kurzem hab ich mal den Antrag auf eine 2. Kreditkarte gestellt: Abgelehnt! Warum? Keine Ahnung! Gruende die zur Ablehnung fuehren, werden nicht genannt.
Waehrend jeder Japaner ziemlich einfach sein Geld ins Ausland ueberweisen kann, muss ich mich selbst fuer kleine Betraege einer elendig langen Prozedur unterziehen. Wer das einmal hinter sich hat, wird niemals mehr eine Bevorzugung von Auslaendern in Betracht ziehen. Klar, wenn ich dann mit meiner Kreditkarte einkaufen gehe, werde ich so freundlich behandelt, wie es sich meine Freunde in Deutschland nur in ihren wildesten Traeumen vorstellen koennen, aber das geht allen anderen hier in Japan genauso, ist also kein Vorteil fuer mich, oder sonst einen Deutschen.
4. Behoerdengaenge
Klar, die Behoerden hier in Japan sind meist sehr freundlich (Die Einwanderungsbehoerde in Shinagawa mal ausgenommen....), aber das sind sie zu allen, nicht nur zu mir. Eigentlich werde ich hier wirklich bevorzugt behandelt. Meine Dokumente werden naemlich immer sehr genau auf Fehler untersucht und das kann dauern. Also, keinerlei Bevorzugung von Deutschen.
5. Wenn die Natur ruft......
In Japan gibt es viele Moeglichkeiten sich sexuell zu „betaetigen“, zumindest fuer Japaner. Wenn man als Auslaender in die tausendfach vorhandenen „Massagesalons, Soaplands (Ja, die heissen so. Googelt gefaelligst selber!) und sonstigen Fummelschuppen will, findet man meistens ein Schild: Auslaender nicht erlaubt/muessen draussen warten. Klar gibt es ein paar Schuppen in denen auch Auslaender „rein“ duerfen (Ja doch, dieser Satzaufbau war absichtlich...), aber glaubt’s mir, das wollt ihr nicht. Die Frauen dort kommen von ueberall, nur nicht aus Japan und sind meistens alt, haesslich oder schwanger, oder alles gleichzeitig. In diesen Laeden steht der Tuersteher drinnen. Damit keiner abhaut!
Warum denn bezahlen, wenn es soooo viele Maedels gibt, die nur darauf warten, von einem wilden deutschen Hengst begattet zu werden? Yep, klar gibt es solche Maedels. Eigentlich sogar ziemlich viele! Wenn du aber glaubst, das diese Frauen „nur auf dich“ gewartet haben, tust du mir wegen deiner reichlich vorhandenen Naivitaet wirklich leid. Und „umsonst“ gibt es von solchen Maedels meisten nur ein Spektrum von Geschlechtskrankheiten, das eine kroatische Bahnhofsnutte echt gesund aussehen lassen wuerde. Das vorher uebliche Essen und das nachher uebliche Lovehotel wollen schliesslich auch bezahlt werden. Und dreimal darfst du raten wer das tut..... Also, alles Quatsch! Kein Vorteil!
So, das war’s von meiner Seite. Wer glaubt, dennoch irgendwelche Vorteile fuer Deutsche in Japan zu kennen, darf sie mir gerne mitteilen. Nein, die Penislaenge lasse ich nicht als Vorteil gelten......
Bis denne.......
Ihr denkt ich bin irgendwie ein bisschen schraeg? Streite ich gar nicht ab! Sei’s drum, ich befinde mich in bester Gesellschaft, denn meiner Meinung nach ist Tokyo die Hauptstadt, wenn nicht gar der Heimatplanet der Bekloppten.
Warum?
Von den eigenen Unzulaenglichkeiten mal abgesehen, trifft man hier so ziemlich jede Eigenart des „Bekloppten“. Es faengt morgens im Zug (fuer mich die Brutstaette allen Wahnsinns....) mit den Leuten an, die sich gezielt mit dem Gesicht zum Fenster in eine Ecke quetschen und sich keinen Zentimeter mehr bewegen, obwohl eigentlich Platz genug da waere. Was hat das zu bedeuten? Ich weiss es nicht.
Dann gibt es die Alleinunterhalter, die sich im Zug aeusserst angeregt unterhalten, nur eben mit sich selbst, oft untermalt von heftiger Gestikulation. Passiert das mit einem, wenn man 20 Jahre als Salaryman gearbeitet hat und einem weder die eigene Familie, noch die Arbeitskollegen zuhoeren? Von dieser Spezies gibt es verschiedene Unterarten, wie den „Auf der Toilette mit seinem Dingdong-Quatscher“ oder „Allein im Auto vor sich selbst hin-Quatscher“. Was werden da fuer Themen angeschnitten? Und: Wer hat im Endeffekt recht? Egal, auf jeden Fall bekloppt!
Dann gibt diese alten Maenner, die mit einem betont „suessen“ Hund morgens im Strom der Schueler Gassi gehen und darauf hoffen, das eines der Maedchen im zu kurzen Schulrock sich bueckt um den dusseligen Koeter zu streicheln, damit sie einen Blick auf auf deren Unterhosen erheischen koennen. Gut, das gehoert wohl eher in die Sparte „Fetisch“, von denen es in Japan unzaehlige gibt, ist aber eindeutig als bekloppt zu verzeichnen.
Was ist mit den alten Maennern, die in voller Sportmontur morgens im Park, oft aber auch an Strassenecken stehen und dort ohne Schlaeger und Ball Golf spielen? Ist das etwa normal? Auch hier gibt es wieder verschiedene Unterarten, die sich unter dem Oberbegriff „Schattensport“ zusammenfassen lassen, wie z.B. das sehr beliebte„Schatten-Baseball“. Auch immer weiter verbreitet ist das „Herumrudern mit den Armen ohne jeden Zusammenhang“, was nach Auffassung einiger Spezialisten die Vorstufe zum „Schatten-Wii“ darstellt. Eindeutig bekloppt.
Weiter gehts mit den meistens jungen Maennern, oft arbeitslos und noch zuhause bei Mama, die sich ihr Zimmer mit zahllosen Anziehpuppen vollstopfen und nichts schoener finden, als diesen Puppen andere Klamotten anzuziehen und sich darauf dann einen von der Palme zu wedeln. Natuerlich gibt es auch hier wieder verschiedene Unterarten, wie z.B. den „Crush-Fetischist“ der sich Videos ansieht, in denen (oft dicke) Frauen mit Stilettos eine Modelleisenbahn zertreten und er sich daraufhin „den Biber raeuchert“. Ganz klar, die haben nicht alle beisammen!
Ja doch, es soll auch Leute geben, die sich auf sowas einen.......
....... na, ihr wisst schon.
Halt! Bisher war fast immer von Maennern die Rede. Gibt es denn keine bekloppten Frauen in Japan? Ganz klar: Doch! Aber egal was fuer einen Tick die Frauen hier haben, er laesst sich praktisch immer mit dem Wort: „Kawaii!!!“ (suess, knuddelig, niedlich, usw..) erklaeren.
Dieses staendige Kawaii!!! hin und Kawaii!!! her ist wohl auch der Hauptgrund, das ich niemals ohne Walkman und ordentlich laute Musik einen Zug besteige, obwohl das besonders Freitagsabends gefaehrlich sein kann. Da sind naemlich jede Menge „vollbetankte“ Salarymen unterwegs und ich kann nicht hoeren, wenn der Typ hinter mir anfaengt, seinen Mageninhalt kuenstlerisch naiv auf der Rueckseite meiner teuren Lederjacke zu verteilen. Nein, die sind nicht bekloppt (zumindest nicht im traditionellen Sinne), sondern einfach nur sturzbesoffen.
Nun, manche Sachen sind einfach nicht kawaii! Zum Beispiel die Dauerfummelei mit dem Handy. Egal wo und wie, das Teil wird den ganzen Tag, fast ohne Ausnahme bearbeitet. Obwohl in der U-Bahn ueberhaupt keine Verbindung mit dem Netz moeglich ist, wird geschrieben was das Zeug haelt. Abgeschickt wird dieser Stuss dann vom naechsten Bahnhof aus, an dem fuer ein paar Sekunden das Netz zur Verfuegung steht, bevor der Zug wieder im dunklen Schlund Tokyo’s verschwindet. Zeit um die naechste Internetseite zu laden ist meist auch noch und wenn das nix wird, kann man ja wenigstens noch ein Spielchen anfangen. Natuerlich ist das nicht nur auf Frauen beschraenkt, jedoch sind es meistens weibliche Vetreter, die glauben, das sie ihre lebenswichtigen Nachrichten auch waehrend des Aussteigens aus dem Zug und auf der Treppe lesen muessen und so den kompletten Verkehr ins Stocken bringen. Noch schlimmer sind da nur die neurdings vorhandenen Iphonejuenger, die das Dingens gleich garnicht mehr wegpacken, sondern staendig offen zur Schau tragen, weswegen ich mir staendig irgendwelche daemlichen Musikvideos, oder noch schlimmer, aus dem japanischen TV aufgenommene Dorama (Soaps)ansehen muss! Klarer Fall, die sind bekloppt!
Gibt es eigentlich auch bekloppte Auslaender in Japan? Grundsaetzlich sind alle Auslaender fuer die Japaner sowieso „irgendwie anders“. Wenn man dann erzaehlt, was man in Deutschland fuer Arbeitszeiten hatte, oder wieviel bezahlten Urlaub, wie gross die Wohnung/das Haus im Gruenen war, wieviel Freizeit man hatte, wie schnell man mit dem Auto/Motorrad fahren konnte, usw., denken die Japaner: Und das alles gibt der auf fuer ein Leben in Japan? Mann, ist der bekloppt!!
Bis denne!
OmG! Michael Jackson ist tot
Waehrend die Internetforen in zwei Lager gespalten sind, (Trauer und haemische Freude), kommen mir viele Erinnerungen hoch. Ich als Arafo (around 40) bin mit seiner Musik aufgewachsen. In einer fuer die Entwicklung eines fruehreifen Teenagers wichtigen Zeit, war er immer mit seinen Songs praesent. Ich habe zu Michael Jackson‘s Musik getanzt, mitgesungen und bei so mancher Erkundung von unerforschten Feuchtgebieten, sprich: Rumfummeln mit Maedels, war ich dankbar das er mit seiner Musik die Hemmschwelle bei den Maedchen doch teilweise erheblich verringern konnte.
Ueber die Zeit danach, die vielen Skandale und zumindest ungewoehnlichen Geschichten aus seinem Leben will ich jetzt gar nicht nachdenken. Wenn einem so viel Aufmerksamkeit zuteil wird, muss man ja letztlich bekloppt, oder zumindest seltsam werden. Er ist tot und der Tod ist immer traurig, deshalb lege ich auf die Meinung von jungen Leuten, die nur mit seinen Skandalen aufgewachsen sind und nicht mit seinen unglaublichen Erfolgen, im Augenblick keinen Wert.
Ruhe in Frieden King of Pop!
Wie gern wuerde ich mal wieder etwas ausfuehrlicher ueber Motorraeder schreiben, schliesslich ist das eigentlich der Hauptzweck dieser Seite. Leider ist im Augenblick Regenzeit. Das heisst: Praktisch taeglich starke Regenfaelle bei Temperaturen um die 30 Grad rum. Die Luftfeuchtigkeit ist im Augenblick wohl auf demselben Level wie im Amazonas-Regenwald. Ohne Klimaanlage haelt man es im Haus kaum aus. Alles klebt, Tueren schliessen nicht mehr vernuenftig und Schimmel wird auch in neuen Haeusern zum Problem.
In letzter Zeit mache ich mir immer oefter Gedanken ueber meine berufliche Zukunft. Freunde und Bekannte regen sich ueber meine Bedenken auf: „Was? Bist du bescheuert? Dein Job ist wie 6 Richtige im Lotto!“ Hmm, wo sie Recht haben, haben sie Recht. Trotzdem, sobald einTraum wahr wird, ist er nur noch Alltag. Ausruhen und Zurecklehnen gehoert nicht unbedingt zu meinen vorrangigen Lebenszielen.
Mein Traum: Ich wuerde gern meinen eigenen Motorradladen eroeffnen. Zum Anfang erstmal importieren und auf Kundenwunsch umbauen, spaeter dann komplett auf Kundenwunsch eigene Maschinen bauen. Ihr denkt, besonders im Mutterland von Honda, Kawasaki, Yamaha und Suzuki eine idiotische, zum Scheitern verurteilte Idee? Warum? Besonders in Japan ist Individualitaet Trumpf! Harley Davidson ist die Nummer Eins bei den Importen. In Japan werden deutlich mehr Harleys verkauft als in allen deutschsprachigen Laendern Europas zusammen. Warum? Warum bezahlen die Japaner fuer oelende Rappeltechnik aus den Siebzigern mindestens doppelt, meistens dreimal soviel, wie fuer eine technisch ausgereifte, zuverlaessige, japanische Maschine?
Hmm, Japaner als Bad Ass Biker. Irgendwie passt das nicht.........
Amerika ist in Japan immer noch das Traumland Nr. 1! Amerika = unbegrenzte Freiheit. Gut, bei den Anwohnern der amerikanischen Militaerstuetzpunkte in Japan mag das anders aussehen, aber insgesamt gesehen herrscht diese Meinung in Japan vor. Rund um Tokyo sieht man am Wochenende bei sonnigem Wetter mehr amerikanische und europaeische Motorradmarken als Einheimische. Wenn ich mal auf japanische Biker stosse, fragen sie meistens: „Warum faehrst du eine Kawasaki?“ Antwort: „Weil das in Deutschland ganz normal ist!“ Reaktion: „Eeeehhhh?!?“
Na, mal sehen was daraus wird. Meine japanische Familie bietet mir beste
Voraussetzungen durch die vorhandenen Autolaeden und Anschluss ans „Gulliver“-Auktionsnetz, in dem neuerdings auch Motorraeder gehandelt werden: http://bike.221616.com/
Mal ganz davon abgesehen, bin ich wohl einer der wenigen hier (Big Al ausgenommen....), der zum Motorradfahren vernuenftige Schutzkleidung traegt. Letzte Tage hat mich wieder mal eine Ducati ueberholt, deren Fahrer in Muskelshirt (ohne Muskeln....), Bermudashorts und Flipflops unterwegs war und seinen Halbschalenhelm laessig auf der hinteren Kopfhaelfte „befestigt“ hatte. Fehlte nur noch die Kippe im Maul. Integralhelm ist fuer mich ein Muss, Protektorenjacke sowieso und natuerlich festes Schuhwerk. Gut, ich habe nicht immer eine Mopedhose an, weil es einfach zu heiss ist, aber dann eine Jeans mit eingenaehten Protektoren, oder doppelt dickem Stoff an den Problemstellen.
Bis denne!
Ahh, es gibt doch nichts schoeneres, als fruehmorgens mit einer handwarmen, in den Schritt gerammten Luis Vuitton-Handtasche zur Arbeit zu fahren..........
Nach knapp dreieinhalb Jahren in Japan, wird es Zeit Bilanz zu ziehen. Kontakt nach Japan habe ich seit ca. 7 Jahren, trotzdem haette ich nicht im Traum daran gedacht, einmal hier zu leben und zu arbeiten. „Schuld“ ist meine japanische Frau. Ohne sie haette ich schwerlich Gruende gefunden, meinen Lebensmittelpunkt nach Tokyo zu verlegen. Klar, Auswandern ist ne‘ tolle Sache. Doch zuerst denkt man da wohl eher an Australien, USA, Kanada, oder in meinem Fall an Suedamerika. Ich war mir immer ziemlich sicher, das ich mit ca. 30 im Dschungel irgendeines suedamerikanischen Landes leben werde. Naja, Suedamerika ist es nicht, aber mit knapp 40 Jahren bin ich letztendlich im „Dschungel“ Tokyo gelandet.
Warum? Ja, warum eigentlich? Zu allererst der Liebe wegen, dann spielt wohl eine gewisse Abenteuerlust eine Rolle, die schon immer in mir geschlummert hat und ganz allgemein auch das Gefuehl, das es in Deutschland in vielerlei Hinsicht immer mehr bergab geht. Ich kann hier natuerlich nur meine persoenliche Meinung wiedergeben, sehe mich im Gespraech mit Freunden aus Deutschland aber immer wieder bestaetigt.
Die meisten Japanauswanderer, besonders jene die sich in Tokyo niedergelassen haben, machen 3 Phasen durch, die ich hier mal etwas verallgemeinert wiedergeben will:
Phase 1: Japan ist klasse! Deutschland ist doof!
Die angenehmste Phase. Grad frisch ausgewandert, kann einem so schnell nichts den Tag vermiesen. Alles in Japan ist klasse, die Menschen sind freundlich, man schwebt auf Wolke Nr. 7. Aus Deutschland kommen nur noch Horrornews: Pah, das geht mich jetzt nichts mehr an, sollen sie doch alle machen was sie wollen in „D“. Alles hier geht rasend schnell: In den typischen Bars finden sich tolle neue Freunde, Arbeit findet sich auch schnell und mit der japanischen Freundin/Frau laeuft auch alles super. Alles ist so neu und toll! Wer immer Japan kritisiert ist ein Arsch und wird sofort wie ein schaedlicher Virus abgesondert.
Phase 2: Japan ist nicht mehr ganz so klasse. Deutschland ist immer noch doof!
Die kritische Phase. Schnell merkt man, das die tollen Freunde die man in den typischen „Gaijinbars“ kennengelernt hat, wohl zu den groessten Losern und Charakterwracks gehoeren, die man je getroffen hat. Echte Freundschaften entwickeln sich daraus kaum. Man trifft sich nur noch um den Frust wegzuballern und/oder ueber Japan herzuziehen. Mit der Freundin/Frau gibt es auch immer oefter Aerger. Irgendwie ist das kulturelle Verstaendnis auf beiden Seiten versteinert. Die schnell gefundene Arbeit stellt sich als miese Abzocke heraus, wo man fuer ein paar Kroeten echte Sklavenarbeit verrichten muss und der Chef ein rassistisches Arschloch ist. Die Japaner sind immer noch freundlich, aber man hat das Gefuehl, alles ist nur oberflaechlich. Nirgends hat man seine Ruhe, immer ist Jemand um einen herum. Der Laerm der Metropole nervt nur noch, der oeffentliche Nahverkehr ist eine Qual um die kein Weg herumgeht. Am liebsten moechte man sich die deutsche Flagge auf die Stirn taetowieren lassen, weil alle Japaner davon ausgehen das man Amerikaner ist.
Phase 3: Japan, leck mich am Arsch! Deutschland ist trotzdem noch doof!
Die gefaehrliche Phase. Resignation macht sich breit. Schon auf dem Weg zur Arbeit (wenn man denn welche hat...) ist man geladen, geht keinem mehr aus dem Weg, rempelt jeden an. Alle Japaner, besonders die Maenner, sieht man nur noch als Idioten, Untermenschen, als Feind. Viele der tollen Freunde sind schon zu Beginn dieser Phase wieder in ihre Heimat abgehauen, um sich dort wieder an der „Titte der Wohlfahrt“ festzusaugen. Die Beziehung zur Freundin/Frau duldet man nur noch, schliesslich gibt es ja in Roppongi genug Schlampen, die auf „weisses Fleisch“ aus sind. Laengst hat man gemerkt, das einem in dieser grauen Metropole nicht die gebratenen Tauben ins Maul fliegen und das Geld nicht auf der Strasse liegt. Den einzigen Job, den man bekommen konnte war Englisch/Deutschlehrer, Kellner oder Gemueseschaeler. Die gespielte Freundlichkeit der Japaner geht einem nur noch auf den Sack. Alles in Japan ist schlecht und wird aufs schaerfste kritisiert.
Wenn es erst einmal soweit ist, gibt es nur noch den Weg zurueck in die Heimat. Nicht alles, was ich oben geschrieben habe, trifft auch auf mich zu, aber es war sicher aehnlich. GsD habe ich einen tollen Job mit guter Bezahlung gefunden und eine echt verstaendnissvolle und geduldige Frau, so das es bei mir nicht zur „Phase 3“ gekommen ist. Aber besonders der oeffentliche Nahverkehr hat mich immer wieder an den Abgrund gebracht. Natuerlich sind die vollgestopften Bahnen immer noch ein Problem fuer mich, aber mittlerweile habe ich mich damit abgefunden, bzw. versuche die Symptome zu bekaempfen. Auch dieser Blog hilft mir dabei, den Frust von der Seele zu reden/schreiben. Die (fuer mich) typischen Probleme, mit denen man in Japan zu kaempfen hat:
1. Unter japanischen Maennern findet man als Auslaender nur schwerlich echte Freunde. Nur mit viel Gefuehl und Geduld kann man sich soweit annaehern, das man sich gegenseitig Freund nennt.
2. Japaner werden einem Auslaender gegenueber selten ihre wahren Gefuehle zeigen. Meistens merkt man erst spaeter, das man in ein Fettnaepfchen getreten ist. Oft stoesst man den Leuten mit der typisch deutschen Direktheit ganz gehoerig vor den Kopf. Das gilt auch fuer die eigene Freundin/Frau und langjaehrige Arbeitskollegen.
3. Das Leben in einer Metropole wie Tokyo ist anstrengend und kraeftezehrend, besonders wenn man aus einer deutschen Kleinstadt kommt. Man sollte sich rechtzeitig ein Ventil, einen Ausgleich fuer diese Belastung suchen, wie z.B. in meinem Fall das Motorradfahren. Andere bevorzugen lange Besuche im Onsen (natuerliche, heisse Quelle), oder verziehen sich am Wochenende in die noch reichlich vorhandene japanische Natur. Wer nur „Halli-Galli“ lebt, zerbricht daran frueher oder spaeter.
4. Japanische Frauen „ticken“ anders als Deutsche. Wer diesen Umstand vernachlaessigt, wird sich schnell in einer ungluecklichen Beziehung wiederfinden. Kinder sind die absolute Nr. 1 fuer jap. Frauen. Wer sich nicht damit abfinden kann, die „zweite Geige zu spielen“, hat ein echtes Problem. Besonders die maennlichen Kinder werden gehaetschelt und vertaetschelt, das einem als Deutschen die Nackenhaare zu Berge stehen.....
5. Arbeiten in einer rein japanischen Firma kann fuer einen an deutsche Verhaeltnisse gewoehnten „Kollegen“ echt die Hoelle sein. Unverstaendlich langsame Entscheidungsketten, Ueberstunden ohne Ende, gottgleiche Kunden und schlecht ausgebildete Arbeitskollegen koennen einem das Leben zur Qual machen. Wer schon immer dachte, das nur die Deutschen selbst fuer den Toilettengang einen Plan brauchen, wird von den Japanern eines Besseren belehrt.
6. Japanisch ist eine extrem schwere Sprache, die man nicht mal eben so nebenbei lernen kann. Und wenn man es dann nach ein paar Jahren so einigermassen beherrscht, kann man immer noch nicht japanisch lesen. Von den 3 verwendeten Schriften sind Hiragana und Kanji noch relativ leicht zu lernen. Fuer die ca. 2000 Kanji (chinesische Schriftzeichen, insgesamt ueber 3000)die man fuers taegliche Leben braucht, benoetigt man da schon ein bisschen laenger.......
7. Freizeit ist ein seltenes und kostbares Gut in Japan. Selbst in einer „nichtjapanischen“ Firma wird laenger gearbeitet als in deutschen Bueros und der Weg nach Haus ist im Schnitt eine Stunde lang. Deshalb ist die Planung des Wochenendes enorm wichtig.
Wenn man sich mit diesen Eigenheiten arrangieren kann, ist man fuer ein Leben in Japan gut gewappnet. Wem noch mehr einfaellt: Ich bin gern bereit Vorschlaege in diese Liste aufzunehmen.
Bis dann!