Irgendetwas mache ich falsch. Grundlegend. Waehrend mein taeglicher Stress schon auf dem Weg zur Arbeit startet, haben viele Japaner offenbar ein Mittel gefunden, diesem Stress rechtzeitig vorzubeugen: Saufen! Jeden Morgen kann ich sie sehen, die Salarimen die gemuetlich auf einer niedrigen Mauer sitzen und sich erstmal ein Doeschen Bier genehmigen. Nein, nicht die kleinen, sondern die 500ml-Dosen. Und dann auch meistens noch das billige „Haposhu“-Schaedelzeugs (so eine Art Bier....).
Selbst hochgestellte, auslaendische Firmenvertreter greifen oft zur Pulle, vor, waehrend und nach der Arbeit. Ich hab mal den Chef einer deutschen Firma in Tokyo gefragt, wie er mit den Lebensumstaenden in Japan fertig wird. Seine recht ueberzeugende Antwort: „Was glauben sie wohl, wie ich damit fertig werde? Ich bin seit 30 Jahren Alkoholiker und Kettenraucher, so werd ich damit fertig!“ Nun gut, jedem das seine. Aber das muss doch auch besser gehen! Ich kann mich einfach nicht damit anfreunden, jeden Morgen schon mit einer Fahne ins Buero zu kommen.
Wie waere es denn dann mit Mariuhana, Gras, Bong, Dope, oder wie das Zeugs auch immer heisst? Wenn man in den letzten Tagen die TV-Nachrichten in Japan mitverfolgt hat, kommt man schnell dahinter, das es in Tokyo ueberhaupt kein Problem ist, an Drogen zu kommen. Mal wieder wurde ein „Schauspieltalent“ dabei erwischt, sich ne‘ ordentliche Line reinzuziehen, nur weil ihr ebenfalls drogensuechtiger Ehemann bei der Polizei nicht sein Maul halten konnte. Die Hauptschuldigen: Natuerlich die boesen, boesen Gaijin-Drogenhaendler.
Klar, in letzter Zeit werden vermehrt Auslaender beim Drogenhandel aufgegriffen, aber nur weil sie sich extrem daemlich anstellen (was so gesehen auch gut ist!). Die Yakuza, die immerhin mit ueber 3800 Drogenvergehen noch deutlich gegen die knapp 310 Vergehen von Auslaendern im Jahr 2008 in Fuehrung liegen, stellen sich da wohl deutlich geschickter an, bzw. wird es ihnen von der japanischen Polizei leichter gemacht. Waehrend auslaendische Dealer praktisch immer ohne „Gesichtsbalken“ im TV gezeigt werden, sind die japanischen „Kollegen“ immer unkenntlich gemacht. Warum ist das so? Noch dazu sind praktisch alle Yakuza und deren „Bueros“ bei der Polizei wohlbekannt, warum stellt die Polizei nicht einfach mehrere Beamte ab, um diese zu ueberwachen?
Boese Zungen wuerden behaupten, das die Polizei wichtigere Aufgaben hat, z.B.: Hausfrauen mit Kindern oder 70jaehrige Opas auf dem Fahrrad anzuhalten, um erstmal nachzupruefen, ob der Drahtesel auch ja nicht geklaut ist. Oder manche auslaendische Botschaften bewachen, die an ihrer „Beliebtheit“ doch selber schuld sind.
Naja, bei all den Nachteilen, die eine alltaegliche Droehnung so mit sich bringt, sollte ich doch besser auf eine andere bewaehrte, noch dazu kostenlose Methode zurueckgreifen: Die gute alte Gleichgueltigkeit, oder auf gut deutsch, „Leck mich am Arsch“- Mentalitaet.........
Nein, so hatte ich mir meinen Urlaub wirklich nicht vorgestellt! Ich war mit der ganzen Familie auf Hatsushima, einer Insel in der Praefektur Shizuoka, vielleicht 4-5Kilometer vom Badeort Atami entfernt. Schon auf der Hinfahrt entwickelte sich der leichte Regen in einen ausgewachsenen Taifun, mit Tropfen wie ich sie in der Groesse noch nie erlebt habe. Endlich im Hafen von Atami angekommen, wollte die Faehre wegen des zu erwartenden hohen Wellenganges auch nicht ablegen, die erbosten Gaeste, die nicht (wie viele Andere) die Ueberfahrt storniert hatten, konnten den Kapitaen aber offensichtlich noch umstimmen. Selber Schuld.....
Ankunft in Atami
Waehrend der nur 30minuetigen Ueberfahrt entwickelten sich die vorher nur kleinen Wellen in 2-3 Meter hohe Brecher, fuer ein Kuestenschiff eine nicht ganz ungefaehrliche Sache. Waehrend ich, der am weitesten vom Meer weg Geborene, echten Spass beim „Wellenreiten“ hatte, sassen die restlichen Familienmitglieder, die alle am Meer geboren und aufgewachsen sind, gruen angelaufen in einer Ecke und hielten ihre Kotztueten bereit.
Blick vom Balkon: Regen. Leider kann man nicht die recht hohen Wellen sehen
Nun gut, endlich im Hotel angekommen, blieb uns wegen des starken Regens nichts anderes uebrig, als uns anderweitig zu vergnuegen. Gut das es im Hotel ein recht grosses Schwimmbad gab und das genug Bier in der Minibar war. Uebrigens war das Bier in den umliegenden Laeden und selbst in Jihanki’s (Automaten) genauso teuer wie in der Minibar (0,5 L Dose Suntory Malts, ca. 450 Yen). Das Essen war gut, aber nicht im Preis enthalten und sauteuer, wie ueblich in japanischen Resorthotels. Kein Wunder, das viele Japaner lieber im Ausland Urlaub machen. Ist einfach billiger. Das war’s aber auch schon mit Meckern ueber das Hotel. Die Zimmer waren riesig und klasse eingerichtet (Sogar im Bad und auf dem Klo gab’s TV, wobei das besch.... japanische TV-Programm zumindest auf dem WC echt hilfreich ist.....) und der Service war super. Und am wichtigsten: Das Hotel ist erdbebensicher.......
Typischer Gang aus dem 7000 Yen Menue (natuerlich pro Person!)
.......was wir in der darauffolgenden Nacht auch ausgiebig testen konnten. Um ca. 5 Uhr morgens fing es erst leicht an zu rumpeln, so das ausser dem Baby alle wach wurden und dann ging das eigentliche Beben los, das mich kurzerhand aus dem Bett warf. Alle Lampen wackelten bedrohlich, die Baldachine rutschten herunter und alle Tueren bewegten sich heftig. Alles was auf den Tischen lag, fiel auf die Erde. Kurzerhand bugsierte ich die gesamte Familie in den Wandschrank, der an der Aussenwand gelegen, von der staerksten Traegern geschuetzt war. Nach knapp 3 Minuten war der Zauber vorbei, ohne irgendwelche Schaeden im Zimmer. Ein paar Minuten spaeter kam noch eine Art Mini-Tsunami an die Kueste gerollt, was aber aus dem 6ten Stock betrachtet eigentlich nur bedrohlich aussah. Andere Besucher hatten offensichtlich nicht so viel Glueck, da am naechsten Morgen etliche Reparaturdienste mit ihren Transportern anrueckten und viele Gaeste den weiteren Aufenthalt canceln wollten. Tja, wollen und koennen sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Wegen dem weiter anhaltenden Taifun wollte die Faehre nicht ablegen, also waren etliche Familien gezwungen, gegen ihren Willen auf der Insel zu bleiben.
Wir machten das Beste draus und gingen fast den ganzen Tag schwimmen, starteten unser eigenes kleines Feuerwerk neben dem Hotel, oder die Kinder besuchten verschiedene „Kurse“ im Haus, wie: Toepfern, Malen nach Zahlen, Ikebana, usw. , waehrend ich jeden Tag die Minibar restlos leergetrunken hab. Fazit: Ein echter „Abenteuerurlaub“, aber das naechste Mal gehts wieder ins Ausland.
Und hier wieder eine Folge aus der beliebten Reihe: Stadtgefluester aus Tokyo.
1. Wenn die Natur ruft....
Morgens 10 Uhr auf der Toilette eines beliebigen Buerohauses in den Anhoehen von „6 Stueck Baum“: Ich nehme grad meine Dreipunktstellung vor dem Urinal ein, da quatscht mich doch tatsaechlich ein Kollege von der Seite an. Eins moechte ich gleich klarstellen, wenn es eins gibt das ich abgrundtief hasse, dann wenn ich auf der Toilette beim Pinkeln angelabert werde! Gibt es wirklich keinen anderen Zeitpunkt mich von der Seite anzuquatschen, als ausgerechnet in dem Augenblick, in dem ich praktisch wehrlos der Natur seinen Lauf lasse? Noch dazu hasse ich Toiletten ohne Trennwaende zwischen den Becken. Warum? Deshalb:
Japanischer Kollege: Oh, der ist aber sicher zu gross fuer japanische Frauen, oder?
Ich: Sag bloss du hast mir grad auf den Schniedel geschaut? Das ist ja......
Japanischer Kollege: Wenn du dich so weit vom Urinal wegstellst, sieht man halt alles.
Ich: Hmpf, ich stelle mich so weit weg, damit ich nicht anstosse du Dachlatte! Und ueberhaupt, warum stehst du eigentlich so nah am Urinal?
Kollege: Urusei! (Was soviel heisst wie: Halt bloss die Schnauze)
2. Chemische Keule....
Nach einem langen Arbeitstag gibt es doch nichts schoeneres, als sich zuhause auf die wohltemperierte Toilette zu setzen. Es sei denn........
Ich: Schatzi? Hast du die Toilette saubergemacht?
Japanisches Schatzi: Ja, sonst macht es ja keiner!
Ich: Oehm, irgendwie riecht das aber komisch und mir traenen die Augen. Was hast du bloss da reingeschuettet?
Japanisches Schatzi: Ganz normalen Toilettenreiniger. Ich hab ein bisschen mehr reingeschuettet, damit ich nicht buersten muss!
Ich: Aeh, ja das macht Sinn! Was war denn das fuer ein Zeugs? Hier ist ne‘ groessere Giftwolke als in Seveso!
Japanisches Schatzi: Was?
Ich: S-E-V-E-S-O
Japanisches Schatzi: Ich kaufe grundsaetzlich nur japanischen Toilettenreiniger und keinen aus Russland, da weiss man nie was drin ist!
Ich: Aber Seveso ist doch in Ita....
Japanischer Hausdrachen: Jaja, das war ja wieder klar. Der grosse, schlaue Deutsche weiss wieder alles besser als die kleine, doofe Japanerin! Kannst du mich nicht mal was vernuenftiges fragen wenn du nach Haus kommst, so wie jeder andere Ehemann auch?
Ich: Ok, was gibts zum Essen?
Fortsetzung folgt.....
Dienstagmorgen, 5.30 Uhr, 27 Grad und 85% Luftfeuchtigkeit, die Frisur ist pitschnass geschwitzt. Meine Tochter macht einen Hoellenlaerm in der Kueche und verlaesst endlich so um 6 Uhr rum das Haus. Warte! Ab heute sind doch Sommerferien, oder etwa nicht?
Japaner bueffeln wie die Wahnsinnigen. Waehrend ich im Halbschlaf auf dem Sofa liege, den Rest meiner Krabben-Mayo Chips (Doch, die gibt es!) grosszuegig ueber mein Shirt verteilt, sitzt meine Frau am Kuechentisch und lernt fuer die naechsthoehere Stufe ihrer Buchhalterlizenz. Auch meine Kinder lernen unglaublich eifrig. Wenn sie um 4 Uhr nachmittags aus der Schule kommen, machen sie ihre Hausaufgaben und dann gehts ab in die Juku (Nachhilfeschule). Nein, meine Kinder sind dehalb nicht besonders bloede, in die Nachhilfe gehen hier praktisch alle Kinder. Unser Kleiner (11) kommt dann so um 20 Uhr rum nach Haus, unsere Grosse (14) oft erst um 22.30! Nein, dann wird nicht gnadenlos TV geglotzt, sondern weitergelernt. Erklaer das mal einem deutschen Schulkind.....
Damit nicht genug. Am Wochenende ist zumindest fuer die Kinder ab der Junior-Highschool Sport angesagt. Unsere Grosse verschwindet fast jeden Samstag um 6 Uhr morgens zum Tennistraining und kommt meist erst nachmittags total geschlaucht nach Haus. Selbst in den Sommerferien gehen die Kinder zum Schulsport und treffen sich oft in der Schulbibliothek zum Lernen. Natuerlich immer in Schuluniform.
Normalerweise muessten die Japaner bei diesem Lernpensum die schlauesten Kinder der Welt haben, jedoch bleibt bei der Masse von Informationen die sie eingetrichtert bekommen, offensichtlich nicht allzu viel haengen. Meine Tochter hat z.B. schon seit 5 Jahren Englisch, davon 2 Jahre auch noch Privatunterricht, ist jedoch kaum in der Lage einen halbwegs vernuenftigen Satz in Englisch rauszubringen. Selbst die japanischen Lehrer in den Englischschulen, die Anfaenger betreuen, haben eine derart grausame Aussprache, das man sich fragt, warum die eigentlich unterrichten duerfen.
In der Naehe vom Fujisan. In diesen Waeldern bringen sich jedes
Jahr mehrere Personen um.
Naja, genug davon. Am Wochenende habe ich wieder einiges gelernt und gesehen. So z.B. einen veraergerten Fujisan, der sich uns nicht von seiner besten Seite zeigen wollte, sondern uns arme Mopedfahrer bis auf die Knochen durchgenaesst hat. Egal, wir geben uns nicht geschlagen. Wir kommen wieder! Oder z.B. einen Deutschen, den es laut allgemeiner Meinung im Internet eigentlich garnicht in Japan geben duerfte: Ohne Japanisch und Englisch oder Uniabschluss nach Japan gekommen und trotzdem gluecklich mit eigenem Haus und gutem Job. Und dann war da noch der bescheuerte LKW-Treter, der es nicht abkonnte, das man ihn ueberholt wenn er im Stau steht und erstmal Abdraengmanoever faehrt. In Deutschland ein klarer Fall: An der naechsten Ampel runter vom Moped und erstmal den Scheinwerfer eintreten. Hier in Japan lasse ich das lieber. Wenn die Polizei auf der Bildflaeche erscheint, ist man als Auslaender immer der Duemmere.
Bis denne!
Was es nicht alles gibt! Waehrend das gemeine Klapprad in Deutschland eher nur von Rentnern und Fahradfetischisten benutzt wird, ist es hier in Japan ein alltaeglicher Anblick. Trotzdem, jedesmal wenn ich einen der typischen japanischen „Machos“ sehe, wie sie in voller Montur, d.h.: Lederjacke (natuerlich mit Fransen), DG-Sonnenbrille, Krokoimitat-Westernboots und natuerlich mit Kippe im Maul auf ihrem vom Rost zerfressenen, moeglichst auch noch weissen Klapprad um die Ecke geeiert kommen, kann ich mir selten ein Lachen verkneifen. Sorry, mit so einem Rad waere man in meiner Jugend an jeder Strassenecke zum Verhauen angehalten worden.....
Heute ist Muellabfuhrtag, in Tokyo gleichzusetzen mit Kraehenfuetterung. Warte, sind das ueberhaupt Kraehen? Oder doch Raben? Das japanische Wort „Karasu“ laesst eher auf Kraehen schliessen, aber die Viecher sind so verdammt gross, das koennen doch nur Raben sein. Google hilft da auch nicht wirklich weiter. Wie dem auch sei, heute morgen war wieder „Karasu“-Alarm. Die Viecher zupfen im Teamwork gekonnt die Netze an die Seite, die eigentlich verhindern sollen, das die Voegel an den Muell kommen, reissen die Muelltueten auf und lassen es sich schmecken. Dabei machen sie nicht einmal vor vollgeschissenen Windeln halt.
Die meisten Kraehen (Raben?) lassen sich dabei auch nicht von vorbeilaufenden Leuten stoeren. Besonders im eher ruhigen Setagaya sind die Viecher wirklich ueberall. Meistens findet man sie auf den Versorgungsleitungen sitzend. Leider steht mein Auto genau unter solch einer Leitung und wird deshalb von den Viechern gnadenlos vollgeschissen. Und das sind grosse Voegel, die deshalb auch grosse Haufen machen! An manchen Tagen dachte ich, jemand haette mir ueber Nacht das Auto umlackiert!
Mann, an diesen Tagen wuensche ich mir mein altes „Diana“- Luftgewehr zurueck, das mir mein Opa zum 11. Geburtstag geschenkt hatte. Ihr denkt: „Kein Wunder das der Typ solche Probleme hat, wenn er schon als Kind mit ner Knarre rumgeballert hat!“ Hey! Ich bin in einem 750-Seelen-Dorf mitten in der Soester Pampa gross geworden. Da bekam man vom Opa halt keine Playstation (die’s eh noch nicht gab...), sondern mehr „nuetzliches“ Zeugs, wie Taschenmesser, Chemie- oder Biokasten von Kosmos (Damals noch mit totem Frosch und Grille drin), Trix-Metallbaukasten, oder eben ein Luftgewehr. Fast alle Jungs im Dorf hatten frueher oder spaeter so ein Teil, konnte man sich so doch perfekt auf eine steile Karriere im oertlichen Schuetzenverein vorbereiten.
Nein, ich habe nicht auf Tiere geschossen, sondern ausschliesslich auf Zielscheiben, Dosen, Steine und anderen Krempel. Ja doch, die Versuchung war gross, aber ich habe trotzdem nicht auf Nachbar’s daemlichen Dackel oder auf wilde Tauben geschossen. Nun, an diesem Punkt in meinem Leben angekommen, wuerde ich auf Tiere schiessen und zwar auf „Karasu“. Schmecken die eigentlich?
Der Buergermeister Tokyo’s, ein bei Auslaendern ungemein unbeliebter Mann, versucht seit Jahren, die Karasu-Plage in den Griff zu bekommen. Wuerde er selbst sich als Vogelscheuche neben mein Auto stellen, wuerde das vielleicht sogar klappen, aber nein, er hatte die Idee, die Viecher mittels Knallanlagen aus den grossen oeffentlichen Parks zu verjagen. Wen stoeren die Kraehen dort eigentlich? Die Penner, die dort in grosser Zahl vorhanden sind? Halt, warte! Die sind ja auch verjagt worden. Mit dem Ergebnis, das sich beide Sorten von Stoerenfrieden (Karasu und Obdachlose) jetzt mehr in die Randgebiete Tokyo’s verzogen haben. Danke, Ishihara san (Buergermeister von Tokyo). Wer hat den eigentlich gewaehlt?
Oje, lasst uns jetzt bloss nicht von Politik anfangen......
Als ich heute morgen im Zug still und heimlich vor mich hinschwitzte und mir mein Nachbar seinen nach Zwiebeln und Essig (fuer Chips sicher eine gute Geschmackskombination....) riechenden Atem direkt in die Nase hauchte, ging mir ploetzlich folgender Gedanke nicht mehr aus dem Kopf: Werden wir Deutschen in Japan etwa bevorzugt behandelt?
Im Forum meines Vertrauens (www.embjapan.de) bin ich mehr als einmal mit der Aussage konfrontiert worden, das „wir Typen in Japan doch eh keinen Bezug mehr zum Umgang mit normalen Leuten haetten, da wir staendig mit Samthandschuhen angefasst werden“. Klar, diese Aussagen kamen praktisch immer von Leuten, die noch nie in Japan waren, oder wenn, dann als Besucher, oder Praktikanten fuer einen kurzen Zeitraum. Aber ist es wirklich so, wie sie meinen?
Werden wir hier als Deutsche tatsaechlich bevorzugt? Lasst mich das mal Punkt fuer Punkt angehen:
1. Arbeitsplatz:
Klar, ich kann viel oefter als meine japanischen Kollegen „Dampf ablassen“. Aber nimmt das ueberhaupt jemand ernst? Beim Gehalt und bei den Arbeitszeiten habe ich auf keinen Fall einen Vorteil. Gut, viele meiner Kollegen bleiben bis 20 Uhr im Buero, waehrend ich mich um 18 Uhr klammheimlich aus dem Staub mache, aber gezwungen werden sie dazu nicht. Unser Chef ermahnt uns des oefteren, nicht unnuetz lange im Buero zu bleiben. Wer dem nicht folgt: Selber schuld! Auch beim Urlaub das selbe Bild: 20 bezahlte Tage im Jahr fuer einen 43jaehrigen Ingenieur, genau soviel wie gleichaltrige japanische Kollegen, waehrend in Deutschland jeder Hilfsarbeiter 30
Tage bezahlten Urlaub hat und (unglaublich!) bezahlte Krankheitstage.
2. Ehe/Partnerschaft:
Kann ich mich bei meiner japanischen Frau, genauso wie meine japanischen Kollegen es gewohnt sind, wie ein Pascha verhalten? Dazu von mir ein klares: Hahahaha!!!! Wer sich mal genauer bei Landsmaennern umhoert, die mit Japanerinnen verbaendelt sind, wird sehr schnell vom Gegenteil ueberzeugt. Besonders weil wir Deutschen bei den Japanerinnen als „Gentlemen“ verschrien sind, werden sie uns niemals jenes Verhalten durchgehen lassen, was eine „typische“ Japanerin ihrem „typisch“ japanischen Ehemann locker durchgehen laesst, eben weil sie sich absolut nicht fuer das interessiert, was ihr Gatte so ausserehelich anstellt. Hauptsache am 15. kommt die Kohle auf’s Konto.
3. Einkaufen, Banken, usw..
Yippie, wieder eine neue Kreditkarte! Diesmal vom Gemuesehaendler an der Ecke! Was fuer Japaner ganz normal ist, naemlich die Geldboerse voller Kreditkarten zu haben, wird fuer die meisten Auslaender immer ein Traum bleiben. Ich hab meine erste Kreditkarte nach knapp 2 Jahren Aufenthalt in Japan bekommen und das auch nur, weil ich mit einer kreditwuerdigen Japanerin verheiratet bin. Vor kurzem hab ich mal den Antrag auf eine 2. Kreditkarte gestellt: Abgelehnt! Warum? Keine Ahnung! Gruende die zur Ablehnung fuehren, werden nicht genannt.
Waehrend jeder Japaner ziemlich einfach sein Geld ins Ausland ueberweisen kann, muss ich mich selbst fuer kleine Betraege einer elendig langen Prozedur unterziehen. Wer das einmal hinter sich hat, wird niemals mehr eine Bevorzugung von Auslaendern in Betracht ziehen. Klar, wenn ich dann mit meiner Kreditkarte einkaufen gehe, werde ich so freundlich behandelt, wie es sich meine Freunde in Deutschland nur in ihren wildesten Traeumen vorstellen koennen, aber das geht allen anderen hier in Japan genauso, ist also kein Vorteil fuer mich, oder sonst einen Deutschen.
4. Behoerdengaenge
Klar, die Behoerden hier in Japan sind meist sehr freundlich (Die Einwanderungsbehoerde in Shinagawa mal ausgenommen....), aber das sind sie zu allen, nicht nur zu mir. Eigentlich werde ich hier wirklich bevorzugt behandelt. Meine Dokumente werden naemlich immer sehr genau auf Fehler untersucht und das kann dauern. Also, keinerlei Bevorzugung von Deutschen.
5. Wenn die Natur ruft......
In Japan gibt es viele Moeglichkeiten sich sexuell zu „betaetigen“, zumindest fuer Japaner. Wenn man als Auslaender in die tausendfach vorhandenen „Massagesalons, Soaplands (Ja, die heissen so. Googelt gefaelligst selber!) und sonstigen Fummelschuppen will, findet man meistens ein Schild: Auslaender nicht erlaubt/muessen draussen warten. Klar gibt es ein paar Schuppen in denen auch Auslaender „rein“ duerfen (Ja doch, dieser Satzaufbau war absichtlich...), aber glaubt’s mir, das wollt ihr nicht. Die Frauen dort kommen von ueberall, nur nicht aus Japan und sind meistens alt, haesslich oder schwanger, oder alles gleichzeitig. In diesen Laeden steht der Tuersteher drinnen. Damit keiner abhaut!
Warum denn bezahlen, wenn es soooo viele Maedels gibt, die nur darauf warten, von einem wilden deutschen Hengst begattet zu werden? Yep, klar gibt es solche Maedels. Eigentlich sogar ziemlich viele! Wenn du aber glaubst, das diese Frauen „nur auf dich“ gewartet haben, tust du mir wegen deiner reichlich vorhandenen Naivitaet wirklich leid. Und „umsonst“ gibt es von solchen Maedels meisten nur ein Spektrum von Geschlechtskrankheiten, das eine kroatische Bahnhofsnutte echt gesund aussehen lassen wuerde. Das vorher uebliche Essen und das nachher uebliche Lovehotel wollen schliesslich auch bezahlt werden. Und dreimal darfst du raten wer das tut..... Also, alles Quatsch! Kein Vorteil!
So, das war’s von meiner Seite. Wer glaubt, dennoch irgendwelche Vorteile fuer Deutsche in Japan zu kennen, darf sie mir gerne mitteilen. Nein, die Penislaenge lasse ich nicht als Vorteil gelten......
Bis denne.......
Ihr denkt ich bin irgendwie ein bisschen schraeg? Streite ich gar nicht ab! Sei’s drum, ich befinde mich in bester Gesellschaft, denn meiner Meinung nach ist Tokyo die Hauptstadt, wenn nicht gar der Heimatplanet der Bekloppten.
Warum?
Von den eigenen Unzulaenglichkeiten mal abgesehen, trifft man hier so ziemlich jede Eigenart des „Bekloppten“. Es faengt morgens im Zug (fuer mich die Brutstaette allen Wahnsinns....) mit den Leuten an, die sich gezielt mit dem Gesicht zum Fenster in eine Ecke quetschen und sich keinen Zentimeter mehr bewegen, obwohl eigentlich Platz genug da waere. Was hat das zu bedeuten? Ich weiss es nicht.
Dann gibt es die Alleinunterhalter, die sich im Zug aeusserst angeregt unterhalten, nur eben mit sich selbst, oft untermalt von heftiger Gestikulation. Passiert das mit einem, wenn man 20 Jahre als Salaryman gearbeitet hat und einem weder die eigene Familie, noch die Arbeitskollegen zuhoeren? Von dieser Spezies gibt es verschiedene Unterarten, wie den „Auf der Toilette mit seinem Dingdong-Quatscher“ oder „Allein im Auto vor sich selbst hin-Quatscher“. Was werden da fuer Themen angeschnitten? Und: Wer hat im Endeffekt recht? Egal, auf jeden Fall bekloppt!
Dann gibt diese alten Maenner, die mit einem betont „suessen“ Hund morgens im Strom der Schueler Gassi gehen und darauf hoffen, das eines der Maedchen im zu kurzen Schulrock sich bueckt um den dusseligen Koeter zu streicheln, damit sie einen Blick auf auf deren Unterhosen erheischen koennen. Gut, das gehoert wohl eher in die Sparte „Fetisch“, von denen es in Japan unzaehlige gibt, ist aber eindeutig als bekloppt zu verzeichnen.
Was ist mit den alten Maennern, die in voller Sportmontur morgens im Park, oft aber auch an Strassenecken stehen und dort ohne Schlaeger und Ball Golf spielen? Ist das etwa normal? Auch hier gibt es wieder verschiedene Unterarten, die sich unter dem Oberbegriff „Schattensport“ zusammenfassen lassen, wie z.B. das sehr beliebte„Schatten-Baseball“. Auch immer weiter verbreitet ist das „Herumrudern mit den Armen ohne jeden Zusammenhang“, was nach Auffassung einiger Spezialisten die Vorstufe zum „Schatten-Wii“ darstellt. Eindeutig bekloppt.
Weiter gehts mit den meistens jungen Maennern, oft arbeitslos und noch zuhause bei Mama, die sich ihr Zimmer mit zahllosen Anziehpuppen vollstopfen und nichts schoener finden, als diesen Puppen andere Klamotten anzuziehen und sich darauf dann einen von der Palme zu wedeln. Natuerlich gibt es auch hier wieder verschiedene Unterarten, wie z.B. den „Crush-Fetischist“ der sich Videos ansieht, in denen (oft dicke) Frauen mit Stilettos eine Modelleisenbahn zertreten und er sich daraufhin „den Biber raeuchert“. Ganz klar, die haben nicht alle beisammen!
Ja doch, es soll auch Leute geben, die sich auf sowas einen.......
....... na, ihr wisst schon.
Halt! Bisher war fast immer von Maennern die Rede. Gibt es denn keine bekloppten Frauen in Japan? Ganz klar: Doch! Aber egal was fuer einen Tick die Frauen hier haben, er laesst sich praktisch immer mit dem Wort: „Kawaii!!!“ (suess, knuddelig, niedlich, usw..) erklaeren.
Dieses staendige Kawaii!!! hin und Kawaii!!! her ist wohl auch der Hauptgrund, das ich niemals ohne Walkman und ordentlich laute Musik einen Zug besteige, obwohl das besonders Freitagsabends gefaehrlich sein kann. Da sind naemlich jede Menge „vollbetankte“ Salarymen unterwegs und ich kann nicht hoeren, wenn der Typ hinter mir anfaengt, seinen Mageninhalt kuenstlerisch naiv auf der Rueckseite meiner teuren Lederjacke zu verteilen. Nein, die sind nicht bekloppt (zumindest nicht im traditionellen Sinne), sondern einfach nur sturzbesoffen.
Nun, manche Sachen sind einfach nicht kawaii! Zum Beispiel die Dauerfummelei mit dem Handy. Egal wo und wie, das Teil wird den ganzen Tag, fast ohne Ausnahme bearbeitet. Obwohl in der U-Bahn ueberhaupt keine Verbindung mit dem Netz moeglich ist, wird geschrieben was das Zeug haelt. Abgeschickt wird dieser Stuss dann vom naechsten Bahnhof aus, an dem fuer ein paar Sekunden das Netz zur Verfuegung steht, bevor der Zug wieder im dunklen Schlund Tokyo’s verschwindet. Zeit um die naechste Internetseite zu laden ist meist auch noch und wenn das nix wird, kann man ja wenigstens noch ein Spielchen anfangen. Natuerlich ist das nicht nur auf Frauen beschraenkt, jedoch sind es meistens weibliche Vetreter, die glauben, das sie ihre lebenswichtigen Nachrichten auch waehrend des Aussteigens aus dem Zug und auf der Treppe lesen muessen und so den kompletten Verkehr ins Stocken bringen. Noch schlimmer sind da nur die neurdings vorhandenen Iphonejuenger, die das Dingens gleich garnicht mehr wegpacken, sondern staendig offen zur Schau tragen, weswegen ich mir staendig irgendwelche daemlichen Musikvideos, oder noch schlimmer, aus dem japanischen TV aufgenommene Dorama (Soaps)ansehen muss! Klarer Fall, die sind bekloppt!
Gibt es eigentlich auch bekloppte Auslaender in Japan? Grundsaetzlich sind alle Auslaender fuer die Japaner sowieso „irgendwie anders“. Wenn man dann erzaehlt, was man in Deutschland fuer Arbeitszeiten hatte, oder wieviel bezahlten Urlaub, wie gross die Wohnung/das Haus im Gruenen war, wieviel Freizeit man hatte, wie schnell man mit dem Auto/Motorrad fahren konnte, usw., denken die Japaner: Und das alles gibt der auf fuer ein Leben in Japan? Mann, ist der bekloppt!!
Bis denne!