Langsam kristallisiert sich heraus, das sich besonders
die paar Japaner, die Fremdsprachen beherrschen und sich deshalb bei der
auslaendischen Presse bedienen koennen, immer mehr Sorgen um ihre Gesundheit und
Zukunft machen, waehrend die meisten “normalen” Japaner kollektiv und weiter ziemlich
nichtsahnend ihrer Verstrahlung entgegendaemmern.
Fakt ist: Der Presse und den Aussagen von
Politikern glaubt hier keiner mehr. Und das ist auch gut so, denn beiden
Institutionen kann man definitiv nichts mehr glauben. In den japanischen
Zeitungen steht kaum etwas verwertbares ueber die Folgen von Fukushima Daiichi
und im Fernsehen ist eh vor lauter Bullshit-Shows kein Platz fuer serioesen,
investigativen Journalismus. Kaum zu glauben, aber in Japan sind die Medien
fest in der Hand von Politik und Industrie. Die einzig verwertbaren Nachrichten
bekommt man ausgerechnet aus Tabloids, aus denen auch schon der abgesetzte
Olympusboss Woodford erfahren musste, was eigentlich so in seiner Firma abgeht.
Sehr schoen nachzulesen bei unserem Mann in Japan: http://umij.wordpress.com/2011/11/09/orinpasu/
Eine andere Quelle ist natuerlich das Internet,
das sich schlecht zensieren laesst. Hier sind es vor allem japankundige
auslaendische Journalisten, die einem die Augen oeffnen. Zum Beispiel hier: http://fukushimaupdate.com/
Die besten Infos bekommt man allerdings vor Ort,
oder von Kollegen. Meine Firma beliefert unter anderem auch alle wichtigen
japanischen Nahrungsmittelhersteller mit deutscher Technologie. So haben z.B.
meine Kollegen bei einer Reparatur in der Abfuellerei einer grossen
Molkereiproduktefirma in Hokkaido mit eigenen Augen gesehen, das Milch aus
Fukushima mit Hokkaidomilch vermischt wird und diese dann in Tetrapacks mit der
Aufschrift „pure Hokkaidomilch“ gefuellt wird, oder das „Hokkaido-Camembert“
und „bulgarischer“ Joghurt zum Teil aus Fukushimamilch hergestellt wird. In den
Laeden steht dann natuerlich: „Alle diese Produkte wurden auf Hokkaido aus der
Milch von gluecklichen Hokkaidokuehen hergestellt.“ Eine Riesensauerei!
Besonders wenn man darueber nachdenkt, wer diese
Milch eigentlich trinkt: Kinder! Ja, an Kindergaerten und Schulen gehoert die
taegliche Milch dazu. Natuerlich wurden die Grenzwerte fuer Milch direkt nach
der Katastrophe nach oben korrigiert, aber das scheint immer noch nicht
ausgereicht zu haben, wurde doch bei offiziellen Tests in Tokyo festgestellt,
das viele Kindergaerten Milch an ihre Kinder ausgab, die 160 fach hoehere
Caesiumwerte hatte, als per Grenzwert vorgeschrieben! Natuerlich hat die
Milchindustrie heftig gegen diese Messungen protestiert. Ergebnis: Es wird
einfach nicht mehr offiziell gemessen! Und was nicht offiziell ist, kann ja
sowieso nicht stimmen....
Vor ein paar Tagen wurden dann auch folgerichtig
erhoehte Caesiumwerte in Babynahrung gefunden. Natuerlich kamen sofort wieder
Entwarnungen aus Politik und Industrie: „Die Caesiummenge ist deutlich unter
dem Grenzwert und vollkommen unbedenklich.“ Aha? Aber warum werden dann 400.000
Dosen (und das sind grosse, teure Dosen.....) von dem Zeugs aus dem Handel
entfernt? Und was fuer Grenzwerte ueberhaupt? Und wieso unbedenklich?
Es gibt keinen "unbedenklichen" Wert für
die Einwirkung von Radioaktivität in einen Babykoerper. Die WHO, wenn auch
sonst aeusserst „unbedenklich“ in ihren Aussagen, sieht das uebrigens genauso. Und
ganz genau deshalb kann es auch keine unbedenklichen "Grenzwerte"
geben. Grenzwerte sind eine Mischung aus Annahmen, industriellen und
politischen Interessen und Erkenntnissen. Ginge es nicht um wirtschaftliche und
politische Interessen wäre jeder Grenzwert der der natürlichen Radioaktivität.
Die ALLEINE würden wir vertragen. Alles darüber hinaus ist bereits zuviel.
Besonders fuer ein Baby.
Nun gut. Und was ist so los auf dem Gelaende von
Fukushima Daiichi? Ach, nix besonderes soweit. Laut TEPCO sind vor ein paar
Tagen nur mal so ca. 300 Liter (Wer misst das eigentlich?) mit ca. 26 MILLIARDEN
BECQUEREL (und wer misst das eigentlich?) verseuchtes Wasser ins Meer
geflossen. Heiliger Batman!
Ein paar Tage vorher waren es so ca. 150 Liter
extrem mit Strontium verseuchtes Wasser. So in etwa. Natuerlich ist das
Meerwasser aber voellig ok, nur darin schwimmen sollte man in der Naehe des KKW
doch bitte nicht. Hat eigentlich schonmal wer die Fische gemessen? Oder den
Meeresboden, auf den das Zeugs doch irgendwie absinkt? Und wenn ihr das
naechste Mal Nori, oder noch besser, eine von diesen ekelhaften Braunalgen in
euch reinstopft: Besonders in Algen lagert sich so manche radioaktive Suppe
ganz besonders gut ab und wird sogar noch angereichert. Guten Appetit!
Na immerhin wird Daiichi jetzt fachmaennisch mit Planen abgedeckt. Immerhin sind es keine blauen Planen..... |
Aber jetzt wird ja alles besser. Weil die
japanische Armee hat naemlich ganze 900 Soldaten abgestellt, die 2 Wochen lang
die am schlimmsten betroffenen Staedte reinigen soll. Mann, 900 Leute steigen
morgens mit mir zusammen in den Zug ein! Wie sollen die paar Leute denn so ein
Riesengebiet in nur 2 Wochen auch nur ansatzweise saeubern? Und womit? Und was
passiert mit dem Dreck, der ja zwangsweise bei so einer Saeuberung anfaellt?
Und was passiert danach mit den Soldaten? Wird extra fuer die der
„unbedenkliche Grenzwert“ nochmal angehoben? Na hoffentlich bekommen sie, so
wie unsere Kinder auch, wenigstens morgens eine Tuete GESUNDE HOKKAIDOMILCH! Amen.
Wenn es nicht traurige Realität wäre, würde ich das glatt für nen schlechten Scherz halten.
AntwortenLöschenAber so ist das überall. Auch hier in D sind die Medien in der Hand weniger Menschen, die bestimmen, was gesendet werden darf und was nicht. In den Vorständen der Medienfirmen sitzen Politiker, Parteien erhalten "Spenden" von diesen Medienfirmen, BILD, Stern, Spiegel, ZDF, RTL, NTV, alle stecken da drin.
Politiker lügen, betrügen und machen sich die Taschen voll auf Kosten der normalen Bürger. Die Reichen werden immer reicher, die armen immer ärmer. Das ist so gewollt und wird nicht geändert. Überall.
Auch in Japan. Das sollte der Japaner nach der jüngsten Katastrophe eigentlich verstanden haben.
Weiß gar nicht wo dein Problem ist. Warte einfach paar tausend Jahre und alles löst sich von selbst.
AntwortenLöschenIrgendwann wird es sicher auch ein Mittel gegen Krebs geben. Alles wird Gut !
--
Da sieht man wieder das alle Konzerne die zu Profit geil sind überall die gleichen Methoden nutzen.
Einfach keiner größeren Firma blind vertrauen :<
Die Kehrseite der ach so auf Harmonie bedachten Japaner: was nicht sein darf gibt es auch nicht. Ist vermutlich der Preis den man dafür bezahlt, wenn man in einem Land leben möchte wo alles grundsätzlich mal in Ordnung ist (alles so schön nett hier.. und höflich.. und ohne Kriminalität etc). Ich fürchte den Tag wo der durchschnittliche Japaner aufsteht und auf den Tisch haut..
AntwortenLöschen@obi
AntwortenLöschenAch weißt du, um mich oder evtl. auch um dich geht es doch gar nicht. Wir sind genetisch voll entwickelt. Japan zerstört so seinen ohnehin schon recht schwachen gesunden Genpool.
Und nicht vergessen: Genetisch nicht vorgesehener Krebs ist nicht heilbar.
@Felix
Naja, dazu müsste man vielleicht erstmal feststellen, wer denn dieser durchschnittliche Japaner ist: Ist es derjenige, der von diesem System ganz klar profitiert, oder ist es derjenige, der tatsächlich mit diesem System unzufrieden ist. Ich tendiere, so schlimm das auch ist, zu Kandidat Nr. 1. Und das bedeutet, das niemand sich erheben wird.
Danke für den interessanten Artikel!
AntwortenLöschenUnglücklicherweise denkt man offensichtlich schon an eine Lösung für das Problem:
http://ajw.asahi.com/article/0311disaster/fukushima/AJ201112050004
=> Ab damit in Druckfässer und flugs im Meer versenkt, den Schrott. Hat ja bei uns auch ganz toll geklappt mit der Verklappung :-/
Kann man nur hoffen, dass dieses Modell nie in die Praxis geht...
äh... die mit den rotorangen Packung? Oder welche sollte ich in Zukunft nicht mehr kaufen?
AntwortenLöschen[wobei, jenseits von Marken gibt es ja eigentlich nur zwei Großmolkereien]
Manchmal fällt mir außer ****** dumm zur Reaktion so mancher Japaner gar nix mehr ein. Zur Meiji-Geschichte bekamen wir aus Japan die Antwort: das kann ja gar nicht sein, schließlich wäre der Preis von Fukushima-Milch so ins bodenlose gefallen, daß sich ein Verkauf gar nicht mehr lohnen würde. Also alles Quatsch was dein Kollege da gesehen hat.
AntwortenLöschenOh Herr lass Hirn regnen...
@umij
AntwortenLöschenYep, das hast du schon richtig erkannt. Ist eigentlich vollkommen wurscht, welche Marke du kaufst.
@BigAal
Ja genau, bei Endpreisen von 200 Yen pro Liter ist Milch ja eh schon ein Verlustgeschäft. Die armen Bauern. Wenn es um die Rentabilität ginge, könnten alle Bauern in Japan sofort aufhören ihre Höfe zu bestellen.
@Peter
AntwortenLöschenNun, immerhin waren die "Wissenschaftler" so bloed, ihre wahnwitzige Idee publik zu machen. So kann die Verklappung wohl kaum heimlich stattfinden, so wie sicherlich schon geplant.
Was soll man da noch sagen. Nur noch traurig. Ist ja kein Einzelfall, dass für Geld und Rendite alles ander in den Hintergrund gestellt wird.
AntwortenLöschenHi Coolio,
AntwortenLöschenich würd dir gerne was per mail schicken, bekomm ich deine adresse?
Lg Cori
@Cori
AntwortenLöschenKlar, gern. Meine Kontaktadresse steht im Bloggerprofil.