Bong 'em!

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Also ich bin ja dafür, das Japan seinem großen Vorbild USA auch in der Drogenpolitik nacheifert und zumindest in einigen Präfekturen den freien Mariuhanakonsum gestattet. Damit die Japaner mal ruhiger werden.

Nein, bitte nicht in Tokyo! Hier laufen eh schon genug Irre rum! Und zu voll ist es hier auch schon! Eher anbieten würden sich da Süden und Norden Japans, da eh unterbesiedelt. Man stelle sich das mal vor: Endlich wäre Tokyo mal leer. Alle Selbstdarstellerarschlöcher wären auf dem Land und könnten dort ihre „Pflanzenliebe“ ausleben. Und die altersschwachen Farmer würden sich über den Nachwuchs freuen.

Anbauen könnte man das Zeugs auf den vielen leeren künstlichen Halbinseln im Süden, auf denen man eigentlich Industrie ansiedeln wollte. Stattdessen wird dort nun der Schrott aus den Tsunamigebieten gelagert. Ein Anbau dort hätte also den Vorteil, das man auch direkt jede Menge verstrahlten Müll mit in die Joints drehen könnte. Das wäre dann die „Dröhnung extra“. Die eigentlichen Zudröhnzentren könnte man auf Hokkaido errichten. Dort ist eh nix los und die Hotelindustrie dort würde sich über die vielen, wenn auch zugedröhnten, Tagesgäste freuen. Denen macht es auch nix aus, das die touristische Infrastruktur im Norden auf dem Stand der letzten olympischen Winterspiele stehengeblieben ist und die meisten Hotels deshalb einen gewissen „Erich Honecker“-Charme haben. Aus der Asche der vielen Joints und ein bisschen Atommüll könnte man doch tolle Schlammpackungen herstellen und in Sentos und Onsen anbieten!

Extrem-Türlecking


Trotzdem, so manchmal frage ich mich, ob der Gebrauch von Drogen im Geheimen nicht eh schon floriert in Japan. Ich mein, was die Politiker hier in Japan so abziehen, kann doch kaum im klaren Kopp entstanden sein. Oder? Oder hat Viagra in etwa dieselben Eigenschaften wie Bong? Und wenn man sich mal in der Bahn umschaut, also wer einen Türgriff „Cock“ nennt, der macht das doch nicht im vollsten Besitz seiner geistigen Kräfte, oder? Und wer wundert sich dann noch, das viele Japanerinnen ein Faible dafür haben, Türgriffe abzulecken und sich dabei fotografieren zu lassen? Und von den Männern, die in Ugg-Boots rumlaufen, will ich erst gar nicht anfangen.

Gehabt euch wohl.......



April, April..........

8

Nein, eigentlich wollte ich heute nichts schreiben. Für mich ist seit über 8 Jahren jeder Tag ein 1. April. Warum sollte ich dann noch irgendwelche kurzlebigen Lügen erfinden, wo ich doch nicht mal kurze Beine habe? Jeden Morgen wenn ich aufwache, versuche ich mich neu zu orientieren. Wo bin ich, wer bin ich, und was zum Teufel mache ich hier eigentlich? Und immer wieder versuche ich mir vorzustellen, wie wohl der echte Coolio in der echten Welt da draussen lebt, ausserhalb des Paralleluniversums Tokyo. Ob er wohl auch manchmal an mich denkt?

In diesem selbst gewählten Asyl, dreht sich für mich vieles um die tägliche Bahnfahrt zur Arbeit und wieder zurück in meine hochherrschaftliche Behausung, mitten in der Megapolis Tokyo. Nach dem Aufstehen an Wochentagen bin ich grundsätzlich neutral mittelschlecht gelaunt. Erst die Bahnfahrt entscheidet darüber, ob es ein milde mieser, oder gar ein katastrophal mieser Tag wird.

Heute wird mir der Aufenthalt in der Alubüchse durch einen Leidensgenossen versüßt, der auch auf dem Weg an sein Paddel in der Bürogaleere ist. Nur leider hat er es wohl versäumt, sich die 3-4 Minuten zu gönnen, die sich selbst halbwegs zivilisierte Menschen morgens nehmen, um sich der Körperpflege zu widmen. Nein, ich kann da kein Mitleid walten lassen. Mir ist auch zu warm. So warm, das mir der Schweiß an der Wirbelsäule herunterläuft, um sich letztendlich im meiner Arschritze wiederzufinden. Trotzdem rieche ich unter den Armen nicht nach abgestandenem Essigdressing. Ohne Salat. Um 8.30 Uhr morgens.

Aber worauf ich eigentlich hinaus wollte..........

Tja, zum ersten Mal seit über 5 Jahren, habe ich in einem Monat keinen einzigen Eintrag geschrieben. Das tut mir viel mehr weh als euch. Muss ich mir doch eingestehen, das ich nach über 8 Jahren Japan wohl den Gipfel der Gleichgültigkeit erklommen habe. Der Wahnsinn der Megapolis ist für mich zur Alltäglichkeit geworden. Mittlerweile verstehe ich, wie zig Millionen von japanischen Arbeitsdrohnen ihr Leben in ihren elendig kleinen Singleapartments überhaupt aushalten können. Will man nicht bekloppt werden, muss man einfach nur total gleichgültig werden und schon klappts!


Keine Angst, der Rucksack ist schon umgeschnallt und ich bin bereit mich wieder auf den Abstieg zu machen. Zurück auf dem Weg ins Tal der Lebensfrohen, werde ich wohl hier und da eine Lawine lostreten und euch daran teilhaben lassen. Stay tuned......

Ich bin ein Gaijin! Holt mich hier raus!

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Und während ganz Deutschland noch der Show nachtrauert, ist sie für mich als Gaijin hier in Tokyo grausame Realität. Jeden verdammten Tag muss ich für 10 Stunden mit schleimigen, fürchterlich aus dem Maul stinkenden Salarimen in einem Glaskasten verbringen. Und knapp 2 Stunden davon, rollt dieser Kasten auch noch im Zentimeterabstand an von Erdbeben geschwächten Wänden entlang. Meine ganz persönliche Dschungelprüfung. Jeden Tag. Und ich krieg keine Sterne dafür. Mir wird nur schlecht.

Neulich beim Abendessen fragte ich meinen Kollegen: “Was zur Hölle ist das denn??“ „Fischeingeweide. Lecker, was?“ „Urks! Und was war das davor?“ „Ganze frittierte Babyspatzen. Schön knusprig, oder?.“ „Doppelurks! Und was gibt es als nächstes? Schlange??“ „Quatsch, sowas essen wir hier nicht! Es gibt rohe Fischeier auf Krebshirn.“ Während ich im hohen Bogen aus dem Fenster kotze, beschleicht mich der dringende Verdacht, das ich das Fenster vorher hätte öffnen sollen.

Gut, die Frauen hier sind nicht ganz so gut bestückt wie die C-Schlampen aus dem Originaldschungel, zumindest obenrum, aber in Sachen Doofheit stehen sie dem Original in nichts nach. Oh, ich bitte vielmals um Entschuldigung. Ich meinte natürlich Naivität......

Auch hier wird man als Aussenseiter aus der Gruppe gewählt. Nein, eigentlich wird man gar nicht erst hineingewählt. Eine Weile mitspielen darf der Gaijin aber trotzdem, damit er der ganzen Welt mitteilen kann, wie toll es hier ist. Und so.


GsD (Für Leser die noch nicht so lange dabei sind: Gott sei Dank!) gibt es auch im wahren Leben Werbeunterbrechungen. So wie diese hier. Heute Morgen im Zug:



Coco ist eine der vielen „English Conversation Schools“ (Eikaiwa) in Japan. Erst 2012 gegründet, macht sie vor allem mit „ungewöhnlichen“ Werbespots und Postern auf sich aufmerksam. So wie diesem hier, in dem suggeriert wird, das man sich mit Englisch viel besser gegen die Konkurrenz durchsetzen kann, wenn man es als J-Dude auf ein Gaijinweibchen abgesehen hat. Durchaus richtig. Besonders wenn man, wie der Typ auf dem Poster, ein leicht tuntiger Ölkopp in einem komplett weißen Outfit ist. Wetten das er auch noch spitze, weiße Plateauschuhe trägt?

Nun ja. Ich hab herzlich gelacht. Und mir sofort den Zorn einiger meiner Waggonmitfahrer eingefangen. Schwupp! Schon bist du rausgewählt.......  



Just another day in paradise.......

18

Mein Träume sind oft so realistisch, das, wenn ich aus diesen aufwache, erstmal eine Zeit brauche um mich zu orientieren. Oft frage ich mich angesichts des abgedrehten Daseins in Tokyo, was jetzt eigentlich der Traum ist. An solchen Tagen schaue ich dann total verpennt in den Spiegel und kann direkt sehen, wie ich mal mit 80 aussehe. An solchen Tagen bleibt man dann besser zu Haus. Aber es nützt ja nichts, es muss gerudert werden, damit die Galeere vorwärts kommt.

Also schäle ich mich missmutig aus meinem Futon. Und stehe in meiner eiskalten Bude. Da segensreiche Erfindungen wie Isolierung hier in Japan einfach wegignoriert werden, ist es innen kaum wärmer als draussen. Aber da ich ja morgens grundlegend gutgelaunt bin, besonders nachdem ich unter der Woche keinen Alkohol mehr trinke, starte ich jetzt voll durch und sprühe mir statt Deo erstmal eine Ladung Haarspray unter die Arme. Anmerk. a. d. Red.: Morgens nach dem Aufstehen DIREKT die Brille aufsetzen. Hm, klebt und brennt ein bisschen, aber riecht eigentlich auch nicht schlecht. Aber ich bin ja gut gelaunt. GUT GELAUNT BIN ICH!

Ja, ihr habt richtig gelesen: Ich trinke in der Woche keinen Alkohol mehr. Ich versuche es. So gut wie möglich. Ehrlich. Ohne genug Alkohol in Tokyo (und vor allem MIT Tokyo....) leben und arbeiten, geht das gut? Nein. Eigentlich könnte ich mich auch gleich mit rot lackiertem Arsch in einen Käfig voller Kampfstiere sperren lassen. Obwohl ich mal gelesen habe, das die gar nicht auf die rote Farbe reagieren, sondern auf das Flattern des Tuches. Nun, ich bin mir sicher, das bei mir auch genug rumflattern würde, wenn erstmal so ein Viech hinter mir her galoppiert.

Um es mit einfacheren Worten auszudrücken: Ich bin leicht reizbar, wenn ich vollkommen ohne meinen Weltverbessertrank unterwegs bin. Ach komm, mit Musik geht alles besser. Gut das mir genau in dem Augenblick mein heissgeliebter Cowon X7 aus der Hand rutscht und auf den Boden fällt. Diesmal war wohl das eine mal zuviel. Tot. Nix geht mehr. Also gehts ohne Musik in den Zug. ABER ICH BIN JA GUTGELAUNT.

Die Türen des Waggons öffnen sich, mir beschlägt die Brille. Kein Wunder. Draussen sind grad mal 5 Grad, im Waggon so um die 25. Ich will grad einsteigen, da haut mich eine Wolke menschlicher Ausdünstungen bald aus den Socken. Sweet Jesus, was hat der bloss gegessen? Ja der! Japanische Frauen furzen nicht im Zug. Oder? ODER?


Aber sowas von...........


Na gut, geh ich halt in den nächsten und rempele mich durch die Menge. Nur um dann im nächsten Waggon festzustellen, das hier die Quelle des Gestanks ist. Das kann kein normaler Furz sein! Tippe mal schwer auf „Land mitgekommen“. Höchstwahrscheinlich in flüssiger Form. Gut, box ich mich halt durch in den nächsten Waggon. Aah, frische Luft. Naja, was man halt hier in Tokyo so als frische Luft bezeichnen kann. Hm, komisch. Warum glotzen die mich denn alle so an? He, ich hab den nicht sausen lassen. Ehrlich! Halt warte, das sind ja alles Frauen! Na toll, im „Anti-Rumfummel-Frauenwaggon“ gelandet. Ach kommt Mädels, als ob ich an euch rumfummeln würde. Meine üblichen Ziele fahren nicht zur Arbeit, sondern liegen jetzt wahrscheinlich mit einem ihrer anderen Fuckbuddies im ehelichen Bett und haben ausserehelichen Verkehr, während sich der gehörnte Ehemann auf dem Weg zur Arbeit ein paar Schulmädchenmangas reinpfeift und so sein eigenes trauriges Sexsoll erfüllt.

Nein, hier bleibe ich jetzt stehen. Selber schuld. Und schon weiss ich wieder, warum ich sonst niemals ohne Ohrhörer voller Musik in die Bahn steige. Und habe ich schon erwähnt das ich im Frauenwaggon stehe? Ruhig bleiben coolio, immerhin sind es keine Kampfstiere.......



Wird fortgesetzt......... Vielleicht........ 

2014....

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Ein frohes neues Jahr euch allen!

Auch ohne Kalender merke ich immer sofort, wenn in Tokyo ein neues Jahr angefangen hat. An den ersten Tagen des neuen Jahres sprinten nämlich viele Salarimen mit neuen Schuhen ins Büro. Die müssen dann mindestens bis zum nächsten Bonus halten und werden frühestens dann weggeworfen, wenn die Absätze so schräg abgelaufen sind, das die Kollegen auch ohne Alkohol ganz ordentliche Schräglage haben.

Ich habe es doch tatsächlich noch geschafft, in 2013 ganze 53 Einträge rauszuhauen. Obwohl ich den „Betrieb“ hier eigentlich stark einschränken wollte. Nun, auch für dieses Jahr gehe ich davon aus, das ich nicht regelmäßig schreiben werde. Ich habe einfach zu viele andere Sachen um die Ohren. Privat und beruflich. Lassen wir uns überraschen.

Vielleicht kommen ja auch endlich mal die versprochenen Gastbeiträge, um hier ein bisschen Farbe reinzubringen. Also, haut rein!

Ansonsten sieht meine Planung für 2014 in etwa so aus: Weniger Alkohol, mehr Sport, mehr gesundes Essen, mehr (privat) reisen, meine Freizeit ein bisschen aktiver gestalten. Vielleicht klappts ja dieses Jahr auch wieder mit der Liebe. Der Frühling kommt und ein paar übriggebliebene Damen deuten durchaus Interesse an. Naja, mal sehen.  


Gehabt euch wohl.......

Every day the same old bullshit......

6

Ich habe die Wahl zwischen 2 Umsteigestationen. Shibuya oder Shinjuku. Nun, Shinjuku gehört zu den verkehrsreichsten Bahnhöfen der Welt und in der Stoßzeit morgens so um 9 Uhr rum, verlassen ca. 500 Leute in der Sekunde die zahlreichen Plattformen und strömen durch die Katakomben. Also, bevor ich in Shinjuku umsteige, rasiere ich mir lieber mit der linken Hand, mit verbundenen Augen und einem stumpfen Einwegrasierer den Sack. Ohne Rasierschaum. Bleibt also nur Shibuya. Aber in Shibuya das kleinere Übel zu sehen, ist so als ob man zwischen vorzeitiger Ejakulation oder Blähungen mit Ausfluss wählen darf. Jeder Morgen ist eine echte Herausforderung und gehört wohl in die Top 3 der Dinge, die mir hier am übelsten aufstoßen.

Der Gang durch die Katakomben bedarf eines gewissen Systems. Zumindest für mich. Viele Japaner, besonders Männer, nehmen es für gottgegeben, das sie orientierungslos und jedwede vorgegebene Laufrichtung ignorierend, vollkommen losgelöst durch den morgendlichen Ansturm der Massen spazieren können. Bis sie dann im wahrsten Sinne des Wortes auf mich prallen. Im Laufe der Jahre habe ich also ein fast perfektes Frühwarnsystem gegen entgegenkommende Spackos entwickelt. Ich hab das irgendwann schon mal in einem Beitrag erwähnt und will das jetzt nicht weiter ausführen. Sucht selbst. (Anmerk. d. Red.: Das hast du gut gemacht! Bringt mehr Klicks!)

Leider hilft mein Frühwarnsystem nur gegen Objekte auf Kollisionskurs. Gegen Handybremser, Mangaleser, quatschende Paare und Omas mit Rollator, die plötzlich vor einem auftauchen, hilft das herzlich wenig. Ohnehin schon mit einer deutlich längeren Schrittweite als der Durchschnittsjapaner ausgerüstet, muss ich mich oft durch Lücken drängen, die sich in der schwarzen Masse auftun. Wenn dann einer dieser Bremser auftaucht (Die Mr. und Mrs. Important mit ihren Mobiltelefonen hasse ich am meisten!) hilft nur noch Geschwindigkeit drosseln. „Brücke an Maschinenraum! Sofort die Geschwindigkeit drosseln! Handybremser voraus!“ Wie ich die hasse!

Endlich schließen sich die Türen des Zuges. Jetzt kann nichts mehr schief gehen. Das U-bahnsystem in Tokyo ist absolut spitze. Sauber, schnell, pünktlich und kaum Pannen! In der Welt wird die U-bahn in Tokyo ja immer als Generalbeispiel für das effiziente und genaue Arbeiten der Japaner genannt. Bullshit, sage ich! Die Bahn MUSS so genau funktionieren! Es DARF keine Abweichungen geben! Nicht mal eine kleine! Wer einmal, so wie ich, einen Ausfall der Yamanotelinie mitgemacht hat, der weiß was das bedeutet. Nämlich: Die Kacke ist am dampfen! Und zwar gewaltig!

Nur 10 Minuten Stillstand wegen “Gegenständen“ auf den Schienen (vielleicht der 12jährige Toshi, der von seinen Mitschülern mit Ijime in den Tod gemobbt wurde?) und die Hölle bricht los. Binnen Sekunden sind die Bahnsteige so dermaßen überfüllt, das die Züge schon alleine deshalb nicht mehr fahren können, weil ständig jemand von der Plattform auf die Gleise fällt. Sobald klar ist das der Zug nicht kommt, kehrt die schwarze Masse auf dem Absatz um und versucht in andere Linien, Busse und Taxen auszuweichen und trifft auf dem Rückzug auf die immer noch den Bahnsteig „angreifenden“ Truppen, die keine Info gehört haben, oder es einfach nicht glauben wollen. Chaos! Alles kommt zum Stillstand! Schon nutzen einige Grabscher die Gelegenheit und fangen schon außerhalb des Zuges zu fummeln an! Gelegenheit macht Diebe! Einige alte Leute werden bis in die Bewusstlosigkeit gequetscht! Rettungsdienste versuchen sich einen Weg durch das Getümmel zu schlagen! Wohoho!

An den Gates der anderen Linien stehen jetzt Bahnbeamte mit kleinen Zetteln in der Hand, auf denen steht das nicht der Überbringer, sondern JR an seinem „zu spät kommen“ schuld ist. Sie kommen kaum mit dem Austeilen nach. Nach 10 Minuten rollt wieder der erste Zug im Schneckentempo an die Plattform, damit wenigstens keiner mehr auf die Schienen fällt. Nach ein paar Minuten kommt die Durchsage, das die Strecke wieder frei ist. Die Türen öffnen sich. Die Drücker mit ihren weißen Handschuhen müssen jetzt Schwerstarbeit leisten. Mehrmals öffnen sich die Türen wieder, weil doch noch eine Handtasche heraushängt. Im Schneckentempo geht es durch die anderen Bahnhöfe, weil sich auf deren Bahnsteigen natürlich auch die nicht abtransportierten Massen stapeln. Der Zug ist zu 150% voll. Aggressivität und Schweißgeruch liegen in der Luft.

Doch nach einer Stunde ist der Zauber vorbei. Nur noch die vielen verlorenen „Entschuldigungszettel“ und die erschöpften Gesichter der Bahnmitarbeiter erinnern an das Chaos zuvor. Mehrere hunderttausend Leute sitzen nach ordentlicher Verspätung an ihrem Arbeitsplatz und können nun endlich in den erhofften Dämmerzustand bis zum Feierabend fallen. Tokyo tickt weiter.......






Beobachtungen 3

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Kap.1

Als ich heute Morgen so im Zug meinen Gedanken nach hing, erinnerte ich mich plötzlich an einen längst verdrängten Vorfall. Als ich noch verheiratet war, habe ich einmal nachts einen Spanner dabei erwischt, wie er am Fenster des Nebenhauses stand und meine Nachbarn beim Rumfummeln beobachtete. Ich bin sofort raus, habe ihn aber leider nur noch an der Jacke zu fassen bekommen, die ich ihm dann auch komplett runtergerissen habe. In der Jacke: Zigaretten und eine Google Maps Satellitenansicht der Nachbarschaft mit irgendwelchen Notizen auf Japanisch. Trotzdem fragte mich die herbeigerufene Polizei, ob der Täter ein Ausländer war. Und zwar noch bevor sie fragten, ob er Japaner war.

In der Folgezeit bekam meine Frau mehrere eigenartige Anrufe, in denen ein „Kommissar“ wissen wollte, wann sie duschen geht, was sie zum schlafen anzieht, wie oft wir Sex haben und so weiter. Treudoof wie viele Japanerinnen nun mal sind, ist sie ihm erstmal auf den Leim gegangen, bis er etwas „direkter“ wurde. Ein Anruf bei „seiner“ Dienststelle brachte dann ans Licht, das ihn dort niemand kennt. Erst wollte bei der Polizei niemand so richtig reagieren, weil ja „noch nichts passiert“ sei. Erst als ich mit brutaler Selbstjustiz drohte, kam Bewegung in den faulen Haufen und eine Fangschaltung wurde installiert. Die Anrufe hörten dann auch auf. Wir bekamen aber keine Auskunft von der Polizei, was sich da jetzt abgespielt hat. Eigenartig nur, das in dem Zeitraum ein Apartment im Nebenhaus geräumt wurde, dessen Mieter laut Nachbarn eines Nachts „abgeholt“ wurde.

Ich kannte den Mieter. Ein junger Japaner. Student. Er hat sich ein paarmal mit mir unterhalten. Sein komischen Fragen nach meiner Familie kamen mir damals ein bisschen schräg vor, aber keinesfalls verdächtig. Ob er auch der Spanner war? Vermutlich. Der hatte nämlich Schlappen und eine Schlafanzughose an, mit denen man sich normalerweise nicht allzu weit von seiner Bude entfernt. Ob er uns auch beobachtet hat? Mag sein. Wir hatten zwar Rollos im Schlafzimmer, aber oft haben wir es erst gar nicht bis ins Schlafzimmer geschafft. Nun ja, ich hoffe das er im Knast einen lieben Zellengenossen hat, der sich ganz besonders „liebevoll“ um ihn kümmert......



Kap. 2

In Japan gibt es keine Verbrechen. Punkt. Aus. Basta. Und wenn Verbrechen begangen werden, dann nur von Ausländern. Aus. Basta. Punkt. Das ist zumindest der allgemeine Tenor der japanischen Medien und ja, leider auch der meisten Japaner. Nachdem endlich auch ein Deutscher als „gefährlicher Verbrecher“ in den Medien aufgetaucht ist, sind leider auch wir Deutschen nicht mehr vor diversen Anschuldigungen sicher. Immerhin kann ich mich, ganz der japanischen Doktrin folgend, damit herausreden, das der Student der vor den Bullen abgehauen ist (http://www.tabibito.de/japan/blog/2013/11/15/neu-kommunale-durchsagen-in-japan-jetzt-auch-auf-deutsch/), kein „reinrassiger“ Deutscher ist. He, was denn? Hier darf man das sagen!

Wenn man aber mal etwas genauer hinter die Kulissen schaut und nicht nur das liest, was in westlichen Mainstreammedien so steht, kommt man schnell dahinter, das in Japan genau so viel kriminelles Zeuch vorgeht wie in anderen Ländern. Man kümmert sich hier nur besser um die „gerechte Verteilung“ der Verbrechen in den Medien. Wenn ein Ausländer mal aus dem Ruder läuft, kommt er auf die Titelseiten und in die Abendnachrichten, in denen mit Computergrafiken eine genaue Analyse des Verbrechens aufgearbeitet wird. Das in der selben Zeit tausende von japanischen Frauen von japanischen Männern gestalkt werden, hunderte von japanischen Frauen von japanischen Männern vergewaltigt werden (gern auch Minderjährige) und auch jeden Tag japanische Frauen von japanischen Männern ermordet werden, geht in dem ganzen Trubel um die „gefährlichen Ausländer“ gern mal komplett unter.

Aah, das friedliche Japan, in dem man die Haustür nicht abschließen muss. Haha! Ja genau. In Deutschland habe ich an noch keinem Privathaus Aufkleber von Sicherheitsfirmen gesehen. Hier in Japan, besonders in den Großstädten ist das völlig normal und ein Riesengeschäft. Aber warum? In Japan wird doch nichts gestohlen, oder? Doch! Einige Gegenden Tokyos scheinen sehr beliebt bei Einbrechern zu sein. So z.B. Machida, oder Azabu. Nimmt man die täglichen Wohnungseinbrüche in Japan mal zusammen und geht davon aus das die Japaner recht haben und nur Ausländer diese Verbrechen begehen, müssten eigentlich ALLE Ausländer hauptberufliche Ganoven sein. Gut, ein paar der Ausländer die ich kenne, sind sicher nicht ganz koscher, aber normalerweise gehen wir alle einer geregelten Arbeit nach, oder lassen uns zumindest von einer reichen Japanerin haushalten.


Typischer Alsok-Wachdienst-Mietbulle

Noch dazu hat man zumindest als Nichtasiate überhaupt keine Möglichkeit, nach einem Verbrechen einfach so in der Masse unterzutauchen. Irgendeiner hat immer den Gaijin gesehen. Verlasst euch drauf!

Aber man sieht doch kaum Polizisten in Tokyo (ausser an der US-Botschaft....). Wenn so viele Verbrechen begangen werden, warum gibt es dann nicht mehr Polizisten? Gute Frage! Die gibt es! Die sitzen aber nicht als Büttel verkleidet in ihrem Koban, oder halten gefährliche Terror-Obasan auf ihren Mamacharis an, sondern gehen in zivil auf Streife. Knapp 50% der Streifenpolizisten in Tokyo arbeitet „verdeckt“ in Zivilklamotten und mischt sich unter die Menge. Verglichen z.B. mit Deutschland, ist das eine gewaltige Menge.




Kap. 3

Wusstet ihr eigentlich schon, das der im Augenblick in Deutschland wieder so beliebte „Enkeltrick“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Enkeltrick) gar nicht in Deutschland, wo sich ja angeblich keiner um seine alten Familienmitglieder kümmert, als erstes aufgetaucht ist, sondern lange vorher in Japan, wo sich ja jeder mit Leib und Seele um seine alten Familienmitglieder kümmert (zumindest lt. vorherrschender Meinung in Westmedien...) „erfunden“ wurde?  In Japan heißt der Enkeltrickbetrug "Ore ore sagi" (Ich bin's,ich bin's-Betrug), weil die Trickbetrüger sich per Telefon bei alten Leuten mit "Ore da yo, ore!" (Ich bin's) melden, die verwirrten alten Leute sie dann beim vermuteten Name nennen und schon schnappt die Falle zu. Die Schadenssummen sind gigantisch (mehrere 100 Millionen Euro im Jahr) und genau da kommen wieder die „verdeckten“ Polizisten ins Spiel, die in Banken und Postämtern die Senioren ansprechen, die gerade größere Summen abgehoben haben. Und das, obwohl es doch in Japan angeblich so sicher ist. Wer dahinter steckt? Die Yakuza, diese edlen Ritter, die sich nicht an einfachen Leuten bereichern.......

Hält sich doch seit Ewigkeiten die Geschichte, das die edlen Yakuza nach dem Beben in Kobe (1995) noch vor den Rettungsmannschaften als erste vor Ort waren und mit Decken, Lebensmitteln und Zeugs ausgeholfen haben. Das stimmt! Man darf aber nicht unterschlagen, das sie NUR ihren zahlreichen Mitgliedern geholfen haben und nicht der "normalen" Bevölkerung.

Fakt ist: In Japan gibt es genau so viele Verbrechen wie in anderen Ländern. Nur wir Ausländer bekommen davon halt nichts davon mit, da wir uns meistens nicht mit den einschlägigen Medien auseinandersetzen. Besonders die männlichen Ausländer. Bei den weiblichen Gaijin sieht es da schon anders aus, kann so doch fast jede meiner weiblichen Gaijin-Bekannten mehrere „Vorgänge“ aufzählen. Meistens geht es um Stalking oder sexuelle und allgemeine Belästigungen. Und man höre und staune: Meistens sind die Täter Japaner........

UPDATE: Wer sich dafür interessiert, was hier tatsächlich so an Verbrechen abgeht, dem empfehle ich wärmstens folgende HP: http://xn--g4xo5ykna.net/  Alles in Japanisch, aber Google Translate verschafft einen Überblick. Danke nochmal an Tabibito für den Link.

Wird fortgesetzt........