Es weihnachtet sehr....

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Ich wünsche allen meinen Lesern ein besinnliches Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr.

Ja, auch den Artisten, die versuchen mit ihren Spamkommentaren Unruhe hier herein zu bringen, wünsche ich dasselbe. Vielleicht kapiert ihr ja im neuen Jahr, das bei Blogger alle Links automatisch das "rel=nofollow"-Tag verpasst bekommen und euer PageRank deshalb absolut nicht verbessert wird. Anklicken tut die Links ja eh keiner. Das ist doch mal ein guter Vorsatz für das neue Jahr: "Ich versuche etwas zu kapieren, auch wenn es mir mangels Hirnressourcen äußerst schwer fällt."

Davon ab, kostet mich, wenn das Zeug nicht eh direkt im Spamordner verschwindet, das Entfernen von dem Scheiß höchstens 3 Klicks. Das Eintragen von Hand dauert deutlich länger. Und mal ehrlich: Wer klickt denn Werbeshit an, der offensichtlich von Hand eingetragen wurde, noch dazu wenn die IP der Homepage in so einem vertrauenswürdigen Land wie Weißrussland registriert ist? Was muß eigentlich alles im Leben schiefgehen, das man so weit unten landet und für sein eigenes "Unternehmen" nicht mal die paar Kröten für Adword und einen vernünftigen Provider über hat? Hm? Mal drüber nachdenken.

So, genug gemault. Ist´s einfach nicht wert. Ich hoffe ihr muckelt euch schön in eine Decke -wenn´s sein muß auch zusammen mit der/dem Liebsten- und macht euch ein schönes Weihnachtsfest. In Deutschland ist die Wahrscheinlichkeit für Schnee ja dieses Jahr sehr hoch. Hier war es heute auch kalt (um 19 Uhr waren es 3 Grad...), aber unter einem strahlend blauem Himmel.

2012 waren es ein paar Einträge weniger als sonst. Dieses Jahr wird mir als chaotisch, unberechenbar und verletzend in Erinnerung bleiben. Für mich hat sich vieles bedeutend verändert. Kein Problem, ich bin ne harte Nuss und werde damit fertig. Einigen Leuten musste ich vor den Kopf stoßen. Tut mir leid, es ging nicht anders. Irgendwann werdet ihr verstehen, das es besser für euch war. Aber auch dieses Jahr konnte ich wieder dabei helfen, hier in Japan Fuß zu fassen, einen Job zu bekommen, alles etwas besser zu meistern. Das macht mich ein wenig stolz. Euch hoffentlich auch. Danke für euer fortwährendes Interesse an meinen Ergüssen. Ich hab euch lieb.

Bis denne.....

Soweit die Füße tragen......

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Ihr wusstet es vielleicht noch nicht, aber ich bin ein Schuhfetischist. Was? Das schreibe ich in jedem 2. Eintrag? Na und? Ist das hier mein Blog, oder was?

Ich bin natürlich nicht so ein Schuhfetischist, das ich mir Stöckelschuhe anziehe und mir darauf den „Biber ausbürste“. Und nein, ich bin auch nicht einer dieser Irren, die sich auf Bilder von Stöckelschuhen den „Teppich ausklopfen“. Nope. Ich mag halt Schuhe und versuche sie solange wie möglich pfleglich zu behandeln.

Trotzdem kaufe ich mir natürlich ab und zu auch mal neue Schuhe. Einem Tip eines meiner Arbeitskollegen folgend, begab ich mich also auf die beschwerliche Zugreise in einen "echt tollen" Schuhladen. Mit einem Seitenblick auf seine eigenen Schuhe hätte ich es eigentlich besser wissen müssen. Endlich angekommen betrete ich also voller Erwartung den Laden und befinde mich augenblicklich in einem Paralleluniversum.  Um mich herum sehe ich nur „Final Fantasy-Stiefel“, Sneakers in Knallfarben, oder die typischen „Clownschuhe“ mit den nach oben stehenden Spitzen. Ein bisschen besser versteckt stehen dann auch die typischen Plateauschuhe, oder Schuhe mit hohen Einlagen.

Ich hab mal eine kleine Montage zusammengeschustert (passend zum Thema...). Dies sind laut Amazon die Haute Cotoure unter den japanischen Schuhen:


Heiliger Batman!

Keine Frage, für so manche dieser Schuhe würde man in Deutschland Prügel beziehen. Aber wie sagt man so schön: Andere Länder, andere Mauken. Und da sieht er mich auch schon, der Schuhverkäufer des Grauens: Ca. 40. Jahre und Kilo. Einer von diesen Typen die unter der Dusche hin und her springen müssen, damit sie nass werden. Gefärbte Haare, die Farbe natürlich rausgewachsen. Der Schnitt auch.
Neben seinem speckigen 1man Anzug fallen mir sofort seine dreckigen, abgelaufenen "Clownschuhe" auf.
In letzter Sekunde kann ich durch eine schnelle Drehung auf meinen Absätzen (natürlich NICHT schiefgelaufen...) und einen weltmeisterlichen Sprint aus seinem Provisionskreis flüchten. Mit uns beiden, das wird nichts, Kollege. Schnell weg hier.

Trotzdem, ich bin angefixt und brauche jetzt unbedingt neue Schuhe. Also nehme ich erneut eine beschwerliche Reise auf mich und fahre in den Adidas Flagshop in Ginza. An meine Füße lasse ich hauptsächlich nur Adidas. Jaja! Und Socken natürlich! Es gibt einiges an Modellen, die Adidas nur für Japan, ja sogar nur für diesen Flag Shop oder den Shop auf Odaiba herstellt. Wenn diese dann nicht allzu knallig bunt oder „auf japanische Vorlieben“ hin geschustert wurden, brauche ich nur zu warten, bis sie drastisch reduziert auf dem Grabbeltisch landen. Ich habe z.B. für die legendären Snakeskin Skater mit schwarzen Schlangenlederinlets nur schlappe 4000 Yen bezahlt. Alter Ladenpreis: 18900 Yen. Die gab es in dieser Farbe nur in Japan und nur für kurze Zeit. Yosh! Auch was feines: Die Schuhe von Adidas Porsche Design. Sind nicht alle mein Geschmack und oft auch einfach viel zu teuer, aber 3 feine Exemplare hab ich mir in Anfällen purer Dekadenz auch zugelegt. Herrlich.

Der Laden ist genau mein Ding, weil die Schuhe in meiner Größe (jap. 28) ziemlich einfach auf dem Grabbeltisch zu finden sind, weil sie den J-Dudes a) nicht gefallen, oder b) eh viel zu groß sind. Jaja, die meisten Japaner ziehen zwar zu große Schuhe an (He, der hat aber große Füsse. Der hat sicher auch nen‘ großen Dingdong....) und Fabrikate japanischer Hersteller lassen die „Vorliebe“ auch in ihr Design einfließen, aber mit non-J Schuhen wird es da schon schwierig. Da sind dann schon mal ein paar Zentimeter Platz hinter der Hacke und dementsprechend „schleichen“ die Träger dann auch durch die Gegend. An alle Leute mit Latschen über 28 (ca. 43,5): Zieht lieber in ein anderes Land. Es gibt zwar durchaus Läden mit grossen Schuhen, aber die Treter dort sehen so ....... ja, ........ scheisse aus und sind noch dazu elendig teuer.
Heute mussten es ein paar Boots aus der Adidas NEO-Kollektion sein. Ist ja schliesslich Winter. Weil die Dinger kaum einem normal gewachsenem Japaner passen, waren sie 60% reduziert. Klasse! Schnäppchen!

Und hier eine repräsentative Auswahl meiner Adidas-Treter:   


Meine Schätzchen.....
Klar, ich hab noch mehr Adidastreter, auch noch ein paar Klassiker. Und von Fila hab ich auch noch 2 Klassiker (z.B. die Fila Ferrarisneaker), aber ich hatte keinen Bock, alles rauszukramen, Weiss eh schon nicht mehr wohin mit dem Zeugs....

Ho?

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Ein Tag im Leben des c.

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Missmutig schließe ich meine Tür auf. Natürlich gegen den Uhrzeigersinn. Warum muss hier eigentlich alles andersherum laufen, als in anderen Ländern? Naja, nicht alles. Aber einige substantielle Dinge, wie z.B.: Zählen. Wir „poppen“ die Finger hoch zum Zählen, was ja Sinn macht, denn mit dem Zählen an sich vergrößert sich ja die Menge, also auch die Menge der Finger. Die Japaner fangen mit der „vollen“ Hand an.

Oder das Heranwinken von Personen. Wir „Wessis“ haben dabei die Handinnenfläche nach oben und ziehen beim Winken die Hand zum Körper. Mach ja Sinn. Die Japaner halten die Finger nach unten und ziehen die Hand nicht zum Körper. Selbst nach 7 Jahren muss ich immer zweimal hinschauen, um das nicht mit einem herzlichen „Verschwinde“ zu verwechseln.

Sei’s drum. Ich schließe also missmutig meine Stahltür auf und ziehe sie nach außen auf. Nach außen. Naja, drinnen wäre auch kein Platz für die Tür, dafür ist dann aber Einbrechen auch nicht so einfach. Nicht das jemals Jemand einbrechen würde. Außerdem kann man so den Zeugen Jehovas, Jim und John von der Baptistenkirche und dem NHK-Gebühreneintreiber so sofort mal zeigen wo der Hammer hängt, indem man die Tür betont schwungvoll öffnet. Besonders dann, wenn die Typen direkt vor der Tür stehen. Hm, meine Stahltür hat schon einige tiefe Dellen.....

Es ist kalt. Nein, nicht nur draußen, sondern auch drinnen. Immerhin hat es die „hochmoderne“ Isolierung meiner Bude es geschafft, die Temperatur einen Grad höher zu halten, als die 7 Grad draußen. Ich mache also die typischen 3 Handbewegungen eines heimkehrenden Single-Salariman: 1. Gasofen an, 2. Heizteppich an, 3. Klimanalage auf 30 Grad stellen. Viele meiner Nachbarn haben keinen Gasofen. Ist ja sooo kompliziert, ein T-Stück am Anschluss für den Gasherd zu installieren und einen Gasschlauch ins Wohnzimmer zu legen. Dafür brauch man nicht mal Werkzeug. Die Gasverlängerung wird einfach nur gesteckt. Die machen dann eben ihren Gasherd an. Beide Flammen.

Während ich mir mein kärgliches Abendessen zubereite, starte ich schon mal das heiße Wasser für’s Bad. Einfach Stöpsel in die Wanne, dann in der Küche die Temperatur vorwählen und schon läuft das warme Wasser. Noch sinnvoller wäre es natürlich, wenn man auch den Stöpsel von der Küche aus einstöpseln könnte. Ob das bei neuen Badewannen geht? Bestimmt. Nach 10 Minuten meldet sich die freundliche Dame meiner Badewannenautomatik: In 5 Minuten ist ihr Bad für sie bereit.“ Hm, wie die wohl aussieht? Wahrscheinlich hat sie nur ne‘ tolle Stimme und ist ansonsten bratzhäßlich. Ich stelle mir vor, wie sie meinen Wasserhahn aufdreht und dann diesen Satz in mein Ohr flüstert. Jeden Tag. Jeden Tag denselben Satz. Nun ja, ich esse erstmal. Währenddessen kümmert „Sie“ sich um mein Badewasser. Sobald die Wanne voll ist, stoppt sie automatisch das Wasser und meldet sich nochmal. Wenn ich nun nicht reagiere und in die Wanne steige, kommt nach 10 Minuten die Ansage: „Das Wasser wird nun für sie auf der von ihnen eingestellte Temperatur gehalten, ehrenwerter Meister“. Ok, „ehrenwerter Meister“ sagt sie nicht. Aber ich fänds toll. Schließlich bezahle ich sie ja.

Nach dem Bad (Den Stöpsel muss ich selbst herausziehen...) ist meine Wohnung auf eine erträgliche Temperatur aufgeheizt und ich stelle die Klimaanlage aus. Der Gasofen und der Heizteppich reichen jetzt zum Halten der Temperatur. Bei meiner Nachbarin läuft die Aircon Tag und Nacht. Ich habe schon daran gedacht, ihr einen Stock in den rasselnden Wärmetauscher zu stecken, so das der laute Motor endlich verreckt. Wenn das so weitergeht, kaufe ich ihr einen Gasofen und schließe ihn auch noch an.

Nach dem Abendessen trinke ich mir eine Dose Bier (das hört sich irgendwie erbärmlich an, oder?) und spiele Final Fantasy 13 auf meiner PS3. Jaja, so ein alter Schlumpf und zockt noch Games? He, ich bin mit Games aufgewachsen! Angefangen hat alles mit einer Mattel Intellivison Konsole, dann gings über C64, Amiga500/600, 386er PC, 486er IBM Thinkpad mit Schmetterlingstastatur, der erste Pentium (7000 Ocken!), Playstation1-3, usw. usf. und letztendlich zu meinem gegenwärtigem Equipment: Tower-PC mit Intel i7, overclocked & wassergekühlt, Android Pad und Netbook mit Intel Atom. Natürlich alles via Netzwerk miteinander verlinkt und auch 3D-TV, Hifianlage und PS3 sind im Netzwerk, zusammen mit 3TB an Network-HD’s. Was ich mit all dem Scheiß mache? Nix! Stattdessen spiele ich ein 4 Jahre altes Spiel und finds geil. Nebenbei fällt mir nun auf, wo Cameron seine Idee für Avatar weg hat. Er hat nämlich so ziemlich alles aus FF13 geklaut und nur seine Helden blau gefärbt. Die Landschaften, Musik, Kameraführung, Raumschiffe, ja selbst die Flugsaurier und dessen „einfangen“ gibt es in FF13. Alles schon mal dagewesen......  

Nachdem ich einen Alpha Behemoth erledigt habe, lege ich mich hin und lese noch ein bisschen in Murakamis „Hardboiled Wonderland und das Ende der Welt“. Gute Nacht Vanille. Gute Nacht coolio..........

Mein Haus, mein Auto, mein Fahrrad?

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Hätte ich doch bloß nicht das Nasenspray genommen. Jetzt bläst mir der Typ, der mir gegenüber im Zug sitzt, seine Alkohol-Ammoniakfahne mitten in meinen riechsensorischen Nahbereich und ich kann es dank Nasenspray auch mehr als deutlich riechen. Würg! Ist ein typischer Salaryman: Schwarzer Anzug, schwarzer Schlips, schwarze Schuhe, schwarze Haare. Ab einem gewissen Alter sind die Haare meist gefärbt und lichte Stellen mit schwarzem Puder „ausgebessert“. Woran man das sieht? Wenn die Haare pechschwarz sind, aber die aus den Ohren und Nase wachsenden Haare sind grau, dann ist das schon mal ein Anhaltspunkt.

Wenn es regnet und sich am Hemdkragen ein schwarzer Rand breitmacht, ist auch das ein sicheres Zeichen für -ich nenne es mal- „Ausbesserungspuder“. Dieses Exemplar schläft natürlich im Zug, das Maul sperrweit offen und seinen Atem an den gelben, schiefen Zähnen und der belegten Zunge vorbeischnaufend. Das Geräusch das er dabei macht, kommt von ganz tief innen und hört sich irgendwie an, als ob tief unten in seiner Lunge ein großes Tier durch trockene Blätter schlurft. Sein Kopf lehnt am Fenster, wo seine fettigen Haare einen ordentlichen Ölfleck hinterlassen. An seinen grauen Nasenhaaren (Aha!) reihen sich kleine Tropfen Nasenrotz auf, wie auf einer Perlenkette. Herrlich!

Ich muss Respekt zollen. Nein, nicht ihm, sondern seiner Ehefrau, die sich eventuell ab und zu noch diesem olfaktorischem Gesamtkörpererlebnis hingeben muss, damit sie mal wieder eine neue Lousy Vuitton-Handtasche bekommt, oder die Kinder eine Zahnspange (Playstation). Thumbs up, Lady! Auch der schlimmste Horror ist mal vorbei........


Aber ich schweife mal wieder ab. Eigentlich will ich heute etwas über die erstaunliche Vielfalt von Fahrrädern mit Autonamen sprechen, die man hier in den Bikeläden oder Supermärkten findet. Oft steht auf den Rädern „Officially licensed“, was ich aber aufgrund der Qualität (billigste China- oder Indienware) kaum glauben mag. Hier ein paar Bilder die ich bei Donki gemacht habe:


Hier erstmal ein Gesamteindruck: Fast alles Fahrräder für echte J-Machos, also Klappräder...

Hier die originalen Corvette- und Hummer-Bikes, die zwar qualitativ ziemlich nah  an ihre Namensvettern kommen, aber irgendwie bei weitem nicht so bullig wirken.

Hier ein Mini-Rad. Passt sogar irgendwie. Ist natürlich auch ein "Hochqualitäts"-Klapprad und hat die  gleiche Qualitätsanmutung und Haptik wie das originale Mini-Cockpit.

Ein "echtes" VW-Bike darf natürlich auch nicht fehlen.....

Oha! Ein Renault. Gefiel mir eigentlich ganz gut und war -im Gegensatz- zu den Autos auch ziemlich hochwertig verarbeitet und ein echtes Männermodell mit Rahmenstange, also für J-Dudes ungeeignet, weil: "Oi Yoshi-Kun, wo willst du denn an dem Rad deinen Korb und den Regenschirmhalter befestigen???"

Einen Alfa Romeo gibts auch. Machte sogar einen ziemlich guten Eindruck.

Hier nochmal eine Nahaufnahme von DEM Machobike überhaupt. Natürlich auf die Stehhöhe von einem durchschnittlichem J-Dude angepasst......

Ein Ferraribike gibt es natürlich auch noch, Obwohl ich mir nicht vorstellen kann,  das dieses nicht besonders hochwertige Rad tatsächlich von Ferrari lizensiert wurde. Na, mal sehen wie lange es noch da hängt......

Health Commander

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Auf der Waage steht in großen Lettern "Health Commander".

"Komisch, ich dachte eigentlich das man abnimmt, wenn einem der Magen ausgepumpt wird."

"Nein. Die entnommene Magenflüssigkeit wird ja ersetzt. Ansonsten würden sie sich fühlen, als ob sie einen lebendigen Igel im Magen hätten. Glauben sie mir, das dazu benutzte Gerät wollen sie nicht sehen."

Ich glaube ihm. Ich fühle mich auch so schon, als hätte man mir mit einer Drahtbürste den ganzen Dreck aus den Eingeweiden gescheuert. Schön ist das nicht.

"Trotzdem fühle ich mich so, als ob alles schlechte aus mir verschwunden ist."

"Das meiste schlechte sitzt in ihrem Kopf. Den dürfen wir leider nicht auspumpen."

Aus dem Augenwinkel nehme ich die Bewegung einer anderen Person wahr. Es ist wieder die stumme Krankenschwester. Und wieder nickt sie unterstützend. Die arme Frau.

"Was ist los mit ihr? Kann sie nicht sprechen?"

Der Arzt lächelt: "Nein, ihr Glaube verbietet es ihr, böse mit ihnen zu sein, oder schlecht über sie zu denken. Deshalb sagt sie lieber gar nichts."

"Aha."

„Gehen sie jetzt heim. Am besten legen sie sich erstmal ein paar Stunden hin. Medizin gebe ich ihnen erstmal keine. Schlafen ist die beste Medizin. Alkohol verbietet sich natürlich von selbst. Ihr Verdauungssystem soll sich erstmal erholen."

Leuchtet mir ein. Nur bei dem Gedanke an Alkohol wird mir sofort schlecht.


Als ich gedankenverloren am Bahnsteig stehe, fällt mir zum ersten Mal auf, wieviel Staub im Lichtstrahl der LED-Strahler tänzelt. Kommt mir vor wie in Zeitlupe. Ist schon unglaublich, wieviel Staub eine Riesenmenschenmenge von sich gibt. Schon morgens um halb 10 liegen schon richtige Staubwürste auf den Treppenstufen in Shibuya Eki. Der Zug fährt ein. Langsam tastet sich der Fahrer an den Haltepunkt heran. Die Türen öffnen sich. Eigentlich ist genug Platz auf den Bänken, aber ich bleibe stehen. Ich habe Angst das mir schlecht wird. Ich schaue mir die Leute an.

Ein kleiner dicker Mann steht dicht an die Tür gepresst, obwohl Platz genug ist im Abteil. Er schwitzt stark und putzt sich ca. alle 20 Sekunden mit einem Taschentuch durchs Gesicht und über den Nacken. Sein Hemd liegt so nah am Hals an, das es seinen Haaransatz praktisch ganz weggescheuert hat. Irgendwie tut er mir leid. Sicher ist er ein ganz lustiger Kerl. Ob seine Leberwerte wohl genauso schlecht sind wie meine? Seine Cholesterolwerte ganz sicher. Ob er sich deshalb so versteckt? Ich weiss es nicht.

Neben mir steht ein junger Salaryman, der die ganze Zeit auf meine Grand Carrera schaut. Sein Gesichtsausdruck spricht Bände: „Dieses Gaijinarschloch hat eine Uhr die mehr kostet als mein gesamter Besitz und ich weiss nicht wie ich meine Freundin zum Essen einladen soll. Ich hasse ihn!“ Ich verzeihe ihm. Schliesslich war ich auch mal jung und arm und wusste nicht, wie ich meine Freundin zum Essen einladen soll. Ich hab dann meistens nebenbei gearbeitet. Ob er auch nebenbei arbeitet?

Mir gegenüber sitzt eine junge Frau. Sie ist sehr schlank und hat schöne lange Haare, mit denen sie ihr total verpickeltes Gesicht verdeckt. Hm, unter den Pickeln steckt bestimmt ein schönes Gesicht. Einen schönen Mund hat sie ja. Küssen will ich sie trotzdem nicht. Zumindest nicht ins Gesicht. Am liebsten würde ich ihr das Geld für ein Set von "Pro Activ" zustecken. Ihr fällt auf das ich sie beobachte. Sie schaut verschämt in ihr Buch. Rot wird sie nicht. Ich hab noch nie gesehen, das ein Japaner rot wird. Das gibt es wohl nur bei uns Weissen. Trotzdem nennen wir alle anderen Rassen „farbig“. Komisch.

Was sie wohl über mich denken? Wahrscheinlich, das ich irgendwie krank aussehe. Bingo! Der Dicke kann mich nicht sehen. Er schaut starr aus dem Fenster und schwitzt. Der junge Salaryman denkt bestimmt: „Wieviel der wohl im Jahr verdient?“ Hier in Japan denkt man immer an den Jahresverdienst, nicht an den Monatslohn. Liegt wohl daran, das viele ihren Jahresbonus fest zum Gehalt rechnen müssen. Ich nicht. Aber vielleicht denkt er auch darüber nach, das er mich am liebsten überfallen und mir meine Uhr wegnehmen will. Ihm passt sie bestimmt nicht. Seine Arme sind viel zu ausgemergelt. Die kleine Pickelfee gibt sich alle Mühe mir nicht mehr ins Gesicht zu schauen. Ich merke, das sie mich „über Bande“ im spiegelnden Fenster beobachtet. Sie hat bestimmt ein schönes Gesicht. Schade. Der Papierumschlag ihres Buches ist verrutscht. Auf dem Einband kann ich Pferde sehen.

Meine Station wird angekündigt. Als sich die Türen öffnen, wanke ich auf den leeren Bahnsteig. An meiner Station steigen nicht viele Leute aus. Mir ist speiübel. Ich setze mich erstmal auf die Holzbank und atme durch. Wie ein alter Mann. Der alte Mann und die Stadt........

Hattu Kopfschmerzen?

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Sonntagmorgen 10 Uhr. Ich werde wach, aber lasse meine Augen noch eine Weile geschlossen. Das mache ich immer so. Mein Kopf schmerzt. Ist eigentlich nichts ungewöhnliches für einen Sonntagmorgen. Von weit her höre ich „Sexual Healing“ von Marvin Gaye. Nein, nicht von weit her. Aus dem Inneren meines Kopfs. Oh du lieber Jesus, was habe ich bloss wieder gemacht? Ich denke an meinen Sohn. Er zieht immer das Papa in die Länge, wenn er etwas fragen will. Was er mich wohl jetzt fragen würde? Papaaaa?

Langsam öffne ich meine Augen. Nein, das ist nicht mein Zuhause. Wo bin ich? Langsam schiebt sich eine Person in mein Blickfeld. Als es meine Augen schaffen die Schärfe richtig einzustellen, kommt eine Krankenschwester zum Vorschein. Eine japanische Krankenschwester. Na toll, wieder einer dieser J-Porn-Träume. Muss das sein? Aus dem Augenwinkel sehe ich meinen Kollegen auf einem Stuhl am Fussende des Bettes sitzen. Er schläft, den Kopf vornüber gebeugt. Typisch Japaner. Also doch kein Traum. Jedesmal wenn er zu weit nach unten wegnickt, schnellt sein Kopf automatisch wieder hoch in eine Art Schwebezustand. Sieht interessant aus. Er hat einen Stoppelbart, sein Hemd ist voller Flecken und er sieht generell scheisse aus. So eine Nacht war es also wieder......

Noch immer steht die Krankenschwester schweigend am Bett. Naja, eine Schönheit ist sie nicht. Ich aber auch nicht. Ich sehe mein Gesicht im Spiegel, den sie mir wortlos vor das Gesicht hält. So sieht man also aus, wenn man nichtsahnend im Krankenhaus aufwacht. Meine Augen sind blutunterlaufen und meine Lippen sehen rissig aus. Hm, alles ganz normal für einen Sonntagmorgen, bis ich den grossen blauen Fleck auf meiner Stirn sehe. Meine Hand langt zu der Stelle, doch die Krankenschwester ist schneller. Sie hält meine Hand fest und schüttelt den Kopf. Vielleicht kann sie nicht sprechen?

„Kawase!“ „KAWASE!!“ „Wach auf!“ Der Schmerz in meinem Kopf zieht sich wie eine Gewitterwolke über dem blauen Fleck zusammen. Und da kommt auch schon der Blitz. Kraftlos lasse ich mich auf das Kissen fallen. Langsam ebbt der Schmerz ab. Kawases Wasserkopf schiebt sich in mein Blickfeld. Steht ihm gut, der Stoppelbart. Sieht irgendwie männlich aus. Er grinst mich an.

„Mensch, Kawase. Was habe ich gestern wieder gemacht?“
„Du? Gar nichts! Du bist auf einmal umgefallen!“
„Umgefallen? Einfach so?“
„Ja, einfach so. Wie ein Sack Reis. Und du bist voll mit dem Kopf auf die Erde geknallt! Hoho, das hat vielleicht geknackt!“
„Wtf?? Wieso denn das?“
„Was weiss ich?“ Du warst den ganzen Abend schon nicht gut drauf! Auf jeden Fall haben sie dich abgeholt und ins Krankenhaus gebracht. Sie sagen, du hattest einen Schwächeanfall.“

„Ich? Einen Schwächeanfall? Quatsch nicht!“

Mensch! Kopfbeule! KOPFBEULE! Nicht so ne Beule! Scheiss Google!

Als ob sie ihm zustimmen will, nickt die Krankenschwester heftig mit dem Kopf. Vielleicht kann sie wirklich nicht sprechen?

„Sie haben dir den Magen ausgepumpt. Du hättest Medikamente und Alkohol konsumiert. In rauhen Mengen!“

Und wieder nickt die Krankenschwester heftig.

„Aber..... Ich....... was?“

Über mir schwebt das Damoklesschwert des Schmerzes und drückt mir auf meine Kopfbeule. Langsam puzzle ich den vorherigen Tag wieder zusammen. Ja, ich habe tatsächlich Medikamente genommen. Am Morgen hatte ich leichtes Fieber. Sicher nur eine leichte Grippe. Naja, ich hätte vielleicht doch nicht die ganze Flasche „Vick Medinait“ (Hier in Japan heisst es Vick, nicht Wick....) trinken sollen. Aber das schmeckte so lecker. Und danach hätte ich vielleicht nur eine Grippekapsel nehmen sollen anstatt 3. Und am Nachmittag hab ich mir noch einen „Erkältungs-Power Up-Drink im Drugstore geholt. Na gut, waren 2. Danach ging es mir auch schon viel besser. Klar, auf all dem Zeugs stand drauf, das man nach der Einnahme AUF GAR KEINEN FALL ALKOHOL TRINKEN DARF!!! Aber wer achtet schon darauf? ICH! Ab jetzt! Isch schwör ey, Alter!

Papaaaa?